Foto: Jana Delp 20.10.2025 / Profis
Defensiv stabil, schlampig im Umschalten
Den nächsten Heimsieg verpasst, doch die Lilien bleiben im Merck-Stadion am Böllenfalltor in dieser Saison ungeschlagen. Bereits im Vorfeld der Partie hatte Florian Kohfeldt den 1. FC Magdeburg als „untypischen Tabellenletzten“ bezeichnet, da der FCM zweifelsohne über große Qualität und eine besondere Spielweise verfügt. Diese Voraussage bewahrheitete sich am Sonntagnachmittag, schlussendlich trennte sich der SV 98 torlos von den Gästen aus Sachsen-Anhalt. Wir blicken in unsere Analyse noch einmal genauer auf die Partie.
Szene des Spiels:
Der Chancen-Dreierpack in der 1. Halbzeit: „Es war individuell nicht unsere beste Leistung“, erklärte Florian Kohfeldt nach dem Spiel mit Blick auf die Darbietung seiner Mannschaft. Und doch hätten die Lilien das Geschehen bereits vor dem Seitenwechsel in ihre Richtung ziehen können, vielleicht sogar müssen. Marco Richter boten sich sowohl in der 27., speziell aber in der 36. Minute gute Möglichkeiten auf einen Führungstreffer, Fraser Hornby vergab kurz vor dem Pausenpfiff einen weiteren Hochkaräter. „Die Chancen, die wir hatten, haben wir schlecht abgeschlossen“, bilanzierte Kohfeldt richtigerweise und nannte damit einen der Hauptgründe für das torlose Remis im Merck-Stadion am Böllenfalltor.
Da auch Luca Marseiler keine seiner Gelegenheiten in einen Treffer ummünzen konnte, prangte nach Abpfiff die Doppelnull auf der Anzeigetafel. Im bisherigen Saisonverlauf hatten sich die Lilien durchaus effizient in der Chancenauswertung präsentiert, das Heimspiel gegen den FCM bildete nun eine kleine Ausnahme.
Das lief gut:
Die Defensive. Die Dreierkette der Lilien stand über die komplette Spielzeit sehr stabil, der FCM besaß über 90 Minuten keine hundertprozentige Torchance. Das Bollwerk aus Pfeiffer, Vukotic und Maglica agierte sehr aufmerksam, war in den Luftduellen gewohnt resolut unterwegs und machte auch am Boden einen mehr als ordentlichen Job. Die defensiven Abläufe passen, Marcel Schuhen durfte sich nach Abpfiff bereits über seine fünfte weiße Weste in dieser Saison freuen. In der kompletten Vorsaison waren die Südhessen nur vier Mal ohne Gegentor geblieben.
„Wir hatten ein paar Chancen, aber ohne die ganz riesigen Dinger“, erklärte Gäste-Trainer Petrik Sander nach dem Spiel und ergänzte: „Auch der Platzverweis hatte nicht mehr diesen Einfluss auf das Spiel.“
Zusammenfassend nutzen wir gerne die Sätze von Kohfeldt, um diesen Punkt abzurunden: „Unser Defensivplan hat sehr lange sehr gut funktioniert. Insgesamt haben wir wenig zugelassen, das ist positiv.“
Das Comeback von Matthias Bader. Erstmals seit dem 31. August 2024 bestritt Matthias Bader wieder ein Pflichtspiel für den SV 98. Mehr als 13 Monate lang hatte der Rechtsverteidiger nach einem Kreuzband- und Innenmeniskusriss auf diesen Moment warten müssen, immer wieder auch kleine Rückschläge auf seinem Weg zum Comeback erlitten. Gegen den 1. FC Magdeburg stand der 28-Jährige nun endlich wieder im Spieltagskader der Lilien und wurde nach dem Platzverweis von Sergio Lopez auch sofort auf dem Platz benötigt. In den Schlussminuten half Bader tatkräftig dabei mit, auch in Unterzahl keine Torchance der Magdeburger mehr zuzulassen.
Wir freuen uns sehr, dass du wieder DA bist, Matze!
Das lief nicht gut:
Das Umschaltspiel. Ein Heimspiel gegen den Tabellenletzten, dazu ist Florian Kohfeldt bekanntermaßen ein Fan von zielgerichteten Ballbesitzfußball. Betrachtet man nur die Ausgangsituation, so hätten sicherlich viele Fußballfans auf ein Spiel getippt, in dem sich das Spielgerät hauptsächlich an den Füßen des SV 98 aufhält. Doch mit dem 1. FC Magdeburg war eben kein „typischer Tabbellenletzter“ zu Gast, wie auch Patric Pfeiffer nach dem Spiel noch einmal feststellte. Die Magdeburger definieren sich über ihren Ballbesitz und wollen dominanten Fußball spielen. Dieser Spielweise waren sich die Lilien im Vorfeld bewusst und passten auch ihren eigenen Matchplan ein wenig darauf an, wie Kohfeldt erklärte: „Die Verführung ist es, zu sagen, dass man anders ist und Magdeburg selbst dominieren will. Aber das braucht es nicht. Das hat auch das heutige Spiel gezeigt. Du musst die Geduld haben und auf die acht, neun, zehn Ballgewinne warten, die auch wir heute hatten.“
Entsprechend zeigte sich der Cheftrainer der Lilien „keineswegs unzufrieden mit dem Spielverlauf“, in dem der SV 98 stabil stand und immer wieder Balleroberungen verzeichnete. Bis hierhin hätten wir diesen Abschnitt auch in den Bereich „Das lief gut“ packen können, die Kategorie veränderte sich allerdings aufgrund der Szenen, die auf die Ballgewinne folgten. „Was wir daraus gemacht haben, das war nicht gut“, gab Kohfeldt unumwunden zu und sprach von zahlreichen Momenten, in denen die Lilien den letzten Pass verpassten.
Blickt man auf den vorherigen Saisonverlauf der Magdeburger, so verzeichnet der FCM nahezu immer ein deutliches Plus in der Ballbesitzstatistik, allerdings vermochten es ihre vorherigen Kontrahenten, die Umschaltaktionen zu eigenen Treffern zu nutzen. „Das haben wir nicht geschafft“, bilanzierte Kohfeldt kurz und knapp.
Der eigene Spielaufbau. Doch nicht nur im eigenen Umschaltsspiel gab es bei den Lilien am Sonntag Luft nach oben, auch im Spielvortrag im eigenen Ballbesitz sah Kohfeldt berechtigterweise Verbesserungsbedarf. Wobei dieser im Vorfeld mit der Aufstellung durchaus ein wenig eingepreist worden war. Durch die Umstellung auf Dreierkette und das damit verbundende Auflösen der Doppelsechs wurden Stabilität, Ballgewinne und das schnelle Umschalten in den Vordergrund gestellt, der eigene Spielaufbau mit viel Ballbesitz und Dominanz verlor bewusst ein wenig an Priorität. „Das sind Abwägungsthemen. Mit der Dreierkette haben wir Stabilität gewonnen, aber spielerische Kontrolle abgegeben“, so Kohfeldt, der dennoch natürlich keinerlei Verbot für einen klaren und zielgerichteten Ballvortrag aus der eigenen Defensive ausgesprochen hatte. „Wir waren im Ballbesitz nicht so gut, dass wir Magdeburg überspielen konnten“, gestand der 43-Jährige, mit dessen Gesamteinordnung wir auch unseren Text beschließen wollen: „Es war nicht top, es war nicht schlecht. Ein Spiel, über das wir nicht ewig reden müssen.“
Zitat des Tages
Wir hätten das Spiel gewinnen können, aber wir waren individuell nicht am Limit.