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22.04.2024 / Profis

Der 1. FC Heidenheim im Gegnercheck

Sonntagabend. Flutlichtspiel. Es ist alles angerichtet für ein packendes Duell der beiden Bundesliga-Aufsteiger im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Mit dem 1. FC Heidenheim treffen die Lilien auf einen Gegner, der vor allem eine Konstante hat: Cheftrainer Frank Schmidt. Der 50-Jährige hat seine Mannschaft in der ersten Bundesliga-Saison ins gesicherte Mittelfeld geführt und vor drei Wochen erst den Rekordmeister aus München geschlagen. Zum Abschluss des 31. Spieltags (28.4./19.30 Uhr) will der SVD die Punkte aber dennoch in Südhessen behalten. Wir nehmen den FCH vor dem Heimspiel einmal genauer unter die Lupe.

Heidenheim Spieler nach dem Heimsieg gegen den FC Bayern
Foto: DFL/Getty Images/Sebastian Widmann

In den letzten 20 Jahren nur zweimal keinen einstelligen Tabellenplatz erreicht, immer mindestens 40 Punkte auf dem Konto gehabt, in den letzten fünf Jahren sogar immer über 50. Eine Bilanz des 1. FC Heidenheim, die man selbstredend als sehr stabil und durchaus auch erfolgreich bezeichnen kann. Seit nun über 16 Jahren sitzt Frank Schmidt auf der Trainerbank der Schwaben und ist verantwortlich für den stetig wachsenden Erfolg des FCH. Angefangen hat Schmidt im September 2007, als die Heidenheimer noch in der Oberliga (damals 4. Liga) steckten, mittlerweile hat die Mannschaft von der Ostalb es ins Mittelfeld der Fußball-Bundesliga geschafft.

Zu einem stetigen Wegbegleiter der Heidenheimer in den letzten 16 Jahren ist dabei der SV Darmstadt 98 geworden. Am 15. November 2008 trafen beide Vereine am Böllenfalltor das erste Mal in einem Pflichtspiel aufeinander, 1:1 ging es damals aus. Seitdem duellierten sich beide Team noch 22 weitere Male. Auch Aufstiege durften die Lilien zweimal quasi parallel mit den Baden-Württembergern feiern – 2013/14 sowie 2022/23 ging es für den SV 98 zusammen mit dem FCH jeweils eine Liga höher, die Lilien folgten den Heidenheimern 2014 dank des „Wunders von Bielefeld“ in die 2. Bundesliga, letzte Saison ging es dann zusammen hoch ins deutsche Fußball-Oberhaus.

Genau dort wird der 1. FC Heidenheim vermutlich auch in der kommenden Saison auflaufen. Vier Spieltage vor Ende der aktuellen Spielzeit hat Schmidts Team sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, zudem liegen noch fünf Vereine zwischen ihnen und dem VfL Bochum, der diesen Platz innehat. Der direkte Abstieg ist mit zwölf Punkten Vorsprung und einem besseren Torverhältnis gegenüber Köln eher unwahrscheinlich.

Doch nicht nur die tabellarische Situation begeistert die Fans des 1. FC Heidenheim, auch der Fakt, gegen wen der FCH so alles punktete, imponiert die Heidenheimer Anhängerschaft: Vor zweieinhalb Wochen (6.4.) feierte Heidenheim einen sensationellen 3:2-Heimsieg gegen den FC Bayern München, nachdem dieser bereits mit 0:2 führte. Auch gegen die Champions-League-Aspiranten vom BVB und VfB Stuttgart holte der FCH in jeweils zwei Spielen zwei bzw. vier Punkte.

Der Trainer

“Etwas überspitzt formuliert konnte man in der vergangenen Saison tatsächlich manchmal den Eindruck gewinnen, dass der Trainer beim einen oder anderen Verein vielleicht gar nicht gebraucht wird”, sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt im Mai 2019, nachdem in der Saison 2018/19 viele Vereine ihren Trainer wechselten. Sobald die Ergebnisse nicht stimmten, werde häufig fast schon reflexartig der Trainer als schwächstes Glied ausgetauscht, sagte er. “Es herrscht oftmals einfach sehr viel Nervosität und Hektik in diesem Geschäft. Dabei ist der Trainer weder im Erfolgsfall alleine dafür verantwortlich, noch im Misserfolgsfall”, beschreibt Schmidt das Trainerwesen.

Was Kontinuität alles bewirken kann, zeigen er und sein Verein, der 1. FC Heidenheim, eindrucksvoll. Frank Schmidt ist im September 17 Jahre Cheftrainer des FCH, zuvor spielte er fünf Jahre beim Vorgänger-Verein Heidenheimer SB. Schmidt führte den Verein aus Baden-Württemberg vom Abstiegskampf der vierten Liga bis in die Bundesliga.

Doch nicht nur seine Verbundenheit zu einem einzigen Verein macht den 50-Jährigen allgemein in Fußball-Deutschland beliebt, auch seine bodenständige aber dennoch akribische Art zeichnet Schmidt aus. „Ich mache jeden Tag Fehler. Aber das gehört dazu, wenn man sich entwickeln und besser werden will. Wichtig ist, dass Fehler aus Leidenschaft oder mutigen Entscheidungen entstehen und nicht aus Dummheit, Faulheit oder Unehrlichkeit“, sagte der FCH-Trainer in einem Interview mit der FAZ. Auch diese Einstellung sorgt für viele Sympathien. „Der Trainerjob ist ein bisschen so, wie ein Dirigent von einem Orchester zu sein. Du musst nicht jedes Instrument spielen können. Aber du musst wissen, wie sie zusammen funktionieren“, fasste Schmidt seinen Beruf zusammen.

Frank SChmidt im Interview vor einem Bundesliga-Spiel gegen Augsburg.
Foto: DFL/Getty Images/Sebastian Widmann

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Tim Kleindienst, 11 Treffer Jan-Niklas Beste, 12 Vorlagen
Eren Dinkci, 8 Treffer Tim Kleindienst, 4 Vorlagen
Jan-Niklas Beste, 7 Treffer Omar Traore, 4 Vorlagen
Marvin Pieringer, 3 Treffer Eren Dinkci, 4 Vorlagen
Patrick Mainka, 2 Treffer Marvin Pieringer, 3 Vorlagen

Prunkstück

Es ist die Laufstärke der Heidenheimer, die bei betrachten der Statistiken sofort ins Auge fällt. Kein Team hat mehr Sprints gemacht als der Aufsteiger, 7.559 stehen für Heidenheim zu Buche. Auch bei den Gesamtkilometern ist Heidenheim ganz weit vorne, mit 3.612,7 Kilometern hat die Mannschaft von Frank Schmidt den zweithöchsten Ligawert. Ebenfalls auf dem Treppchen landen die Schwaben in der Statistik „intensive Läufe“, 22.571 Aktionen fallen hier drunter, nur Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg können einen höheren Wert aufweisen.

Mit Jan-Niklas Beste hat Heidenheim zudem den zweitbesten Vorlagengeber der Liga in den eigenen Reihen, der 25-Jährige konnte bereits zwölf Assists sammeln. Mit Tim Kleindienst steht zusätzlich noch der achte der Torschützenliste im Kader, der gebürtige Brandenburger kommt auf elf Bundesliga-Tore.  

All Eyes on ...

„Wahnsinn in Regensburg! Föhrenbach nimmt Beste mit, dessen flache Hereingabe rutscht durch den Fünfer durch und landet bei Kleindienst, der viel Platz hat und diesen nutzt, um aus kurzer Entfernung zum 3:2 einzuschieben“, hieß es am 28. Mai 2023 im Live-Ticker des „Kicker“. In der neunten Minuten der Nachspielzeit schoss Tim Kleindienst den 1. FC Heidenheim zum ersten Aufstieg der Vereinsgeschichte in die 1. Bundesliga – und das nach 0:2-Rückstand. 

Tim Kleindienst selbst hatte bereits vor der Saison etwas Bundesliga-Erfahrung vorzuweisen, der 28-Jährige spielte bereits 26-mal im Oberhaus für den SC Freiburg. Mit KAA Gent kickte der Stürmer 2020 sogar international, fünf Europa-League-Spiele und drei Einsätze in der Qualifikation für die Champions League sind auf seinem Konto.

Geboren ist der ehemalige U20-Nationalspieler in Jüterbog (Brandenburg), etwa eine Stunde von Berlin entfernt. Bereits in der Jugend wechselte der Mittelstürmer zu Energie Cottbus, bei dem er seine ersten Zweitliga-Minuten sammeln durfte. Es folgte 2015 der Wechsel nach Freiburg, bevor Kleindienst das erste Mal nach Heidenheim kam und damit Frank Schmidt kennenlernte. Nach einer ordentlichen Zweitliga-Saison versuchte der Angreifer, sich erneut in Freiburg durchzusetzen, bevor er 2019 zurück nach Heidenheim wechselte. Doch ganz vorbei war die Transfer-Reise für Kleindienst damit noch nicht, nur ein Jahr später ging es zum angesprochenen KAA Gent.

Seit nun etwas mehr als drei Jahren ist der 1,94 Meter große Stürmer wieder in Baden-Württemberg zuhause und zeigt sich vor allem von seinem Trainer Frank Schmidt begeistert, lobt ihn in höchsten Tönen – so unter anderem im Interview mit Transfermarkt.de im Mai 2023 „Er behält seinen Stil bei und weiß genau, was er will. Und das vermittelt er den Spielern auch. Gerade in Transfergesprächen zeigt er einem auf, was er gerne hätte, worauf es ankommt und was einen erwartet. Das fordert er jedes Jahr aufs Neue und die Spieler setzen es um“, schwärmt Kleindienst und ergänzt: „Was dazu kommt: Er hat einfach einen gewissen Status hier und ist eine brutale Respektsperson. Neue Spieler ordnen sich dem unter und ich denke, dass das auch ein Teil seines Erfolgs ist.“

Das ihm gegenüber gebrachte Vertrauen zahlt Kleindienst vor allem mit Toren zurück. Nachdem er mit 25 Buden in der vergangenen Saison Torschützenkönig der 2. Bundesliga wurde, hat er auch in dieser Saison bereits wieder elf Tore auf seinem Konto, hinzukommen vier Vorlagen.

Tim Kleindienst, Top-Torschütze der Heidenheimer
Foto: DFL/Getty Images/Sebastian Widmann

Kontinuierlich erfolgreich

Spielzeit Liga  Platzierung
2023/24 (aktuelle Saison) 1. Bundesliga 10.
2022/23 2. Bundesliga 1.
2021/22 2. Bundesliga 6.
2020/21 2. Bundesliga 8.
2019/20 2. Bundesliga 3.
2018/19 2. Bundesliga 5.
2017/18 2. Bundesliga 13.
2016/17 2. Bundesliga 6.
2015/16 2. Bundesliga 11.
2014/15  2. Bundesliga 8.
2013/14 3. Liga 1.
2012/13 3. Liga 5.
2011/12 3. Liga 4.
2010/11 3. Liga 9.
2009/10 3. Liga 6.
2008/09 Regionalliga Süd 1.

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