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07.05.2025 / Profis

Der 1. FC Kaiserslautern im Gegnercheck

Es war eine der größten deutschen Fußball-Überraschungen des Jahres 2024: Zweitligist 1. FC Kaiserslautern stand im DFB-Pokalfinale – die erste echte Titelchance seit Jahrzehnten. Und das trotz denkbar schwerem Gegner: Bayer Leverkusen, frisch gebackener Deutscher Meister – und das auch noch ungeschlagen. Die Euphorie in der Pfalz war riesig. 23.000 Karten standen den Lautern-Fans offiziell zu, doch am Ende sollen sich wohl rund 40.000 FCK-Anhänger Tickets für das Finale im Olympiastadion in Berlin gesichert haben – ein Ausdruck dafür, wie viel dieser Finaleinzug für die Region bedeutete. Am Ende unterlag der FCK zwar knapp mit 0:1, doch die Erinnerungen an diese besondere Reise bleiben für immer.

Foto: Alexander Scheuber/Getty Images

Denn große Erfolge waren für die Roten Teufel lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Nach dem Bundesliga-Abstieg 2011 folgten sechs Jahre in Liga zwei, ehe 2018 der bittere Gang in die dritte Liga kam. Vier Jahre später dann die Rückkehr in die 2. Bundesliga – unter keinem Geringeren als Dirk Schuster, der einst mit den Lilien den Durchmarsch von der dritten Liga bis in die Bundesliga schaffte.

Heute steht der FCK in der 2. Bundesliga auf Platz sieben – nur zwei Punkte hinter dem Relegationsrang. Im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg ist weiterhin alles möglich. Ein weiteres Erfolgskapitel in den Geschichtsbüchern des 1. FC Kaiserslautern scheint nicht ausgeschlossen. Bevor nun der SV Darmstadt 98 am Muttertag (11.5./13.30 Uhr) ins Fritz-Walter-Stadion reist, werfen wir einen genaueren Blick auf den kommenden Gegner.

Top-Scorer - Liga & Pokal

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Ragnar Ache – 17 Tore Daniel Hanslik – 9 Assists
Daniel Hanslik – 8 Tore Marlon Ritter – 4 Assists
Marlon Ritter – 7 Tore Florian Kleinhansl – 4 Assists
Luca Sirch – 4 Tore Luca Sirch – 4 Assists
Daisuke Yokota – 4 Tore Aaron Opoku – 4 Assists

 

Der Trainer

Torsten Lieberknecht und der 1. FC Kaiserslautern – das ist mehr als nur eine Verbindung über Stationen im Lebenslauf. Als gebürtiger Pfälzer wurde ihm die Verbundenheit zur Region und zum FCK quasi in die Wiege gelegt. Auch in seiner Zeit als Trainer beim SV Darmstadt 98 machte er nie ein Geheimnis daraus, wie eng er den Roten Teufeln verbunden ist. „Die Pfalz braucht den 1. FC Kaiserslautern, das merkt man einfach. Mein Herz schlägt definitiv für die Region und den FCK“, sagte Lieberknecht im Jahr 2022 auf der Pressekonferenz vor dem Spiel seiner damaligen Lilien auf dem Betzenberg.

In dieser Saison – 22/23 war das – führte er den SV 98 zurück in die Bundesliga – ein Meilenstein, der seine insgesamt erfolgreiche Darmstädter Zeit krönte. Jetzt aber ist er zurück an dem Ort, an dem einst alles begann: 1992 wurde Lieberknecht als Spieler mit dem FCK Deutscher A-Jugend-Meister, machte für die Roten Teufel sein Profidebüt und erzielte später sogar sein einziges Bundesliga-Tor für die Lauterer. Nach insgesamt 15 Profispielen war damals jedoch Schluss – er wechselte zum Rivalen Waldhof Mannheim, später über Mainz 05 und den 1. FC Saarbrücken zu Eintracht Braunschweig.

Dort in Braunschweig begann seine Trainerkarriere über eine langjährige und prägende Zeit. Mit den Löwen aus Niedersachsen stieg er 2013 in die Bundesliga auf. 2018 führte ihn sein Weg schließlich zum MSV Duisburg. Im Jahr 2021 landete Lieberknecht dann bei den Lilien und erreichte am Bölle bereits in seiner zweiten Saison den unvergesslichen Aufstieg mit den Darmstädtern.

Jetzt ist Torsten Lieberknecht zurück bei seinem Heimatverein, der ihn sportlich groß gemacht hat. Mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz könnte dem gebürtigen Pfälzer nun auch als Trainer auf dem Betze Großes gelingen.

Foto: Eibner-Pressefoto/Jan Prihoda

Prunkstück

Das Fritz-Walter-Stadion ist das Prunkstück der Pfälzer – und eine echte Festung: 29 ihrer 50 Punkte holte der 1. FC Kaiserslautern zuhause auf dem Betzenberg. Damit belegen die Roten Teufel aktuell Platz zwei in der Heimtabelle der 2. Bundesliga. Auch individuell ist der FCK stark aufgestellt – vorne wie hinten. Im Angriff sorgt allen voran Ragnar Ache für Gefahr: Mit 100 Torschüssen führt der Stürmer ligaweit die Statistik der Abschlussversuche an. Dahinter folgen Fisnik Asllani (94 Schüsse) und Marvin Wanitzek (86). 17 Treffer erzielte Ache bislang – nur Hamburgs Davie Selke traf mit 21 Toren häufiger. Doch nicht nur die Offensive überzeugt: Auch zwischen den Pfosten ist Lautern stark besetzt. Julian Krahl parierte bereits 119 Schüsse – der zweitbeste Wert der Liga. Nur Düsseldorfs Florian Kastenmeier war mit 127 Paraden noch öfter zur Stelle.

All Eyes on ...

Stellt euch eine Welt vor, in der es Piraten, Marinesoldaten, Revolutionäre und viele andere Gruppen gibt, die um Macht, Einfluss und Schätze kämpfen. Mittendrin ist „Ruffy“, der Hauptcharakter des sehr bekannten Animes „Onepiece“, der den ungewöhnlichen Traum hat, König der Piraten zu werden. Ragnar Ache, Stürmer des 1. FC Kaiserslautern, ist selbst riesiger Anime-Fan und bezeichnet „Onepiece“ als einen seiner Lieblings-Animes. Dabei verfolgt Ache auch einen Traum, der jedoch etwas normaler scheint als der von „Ruffy“. 

Neben den Animes gehören ein paar Worte Japanisch und sogar Japanisch-Unterricht längst zu seinem Alltag. Auch der Trip zu den Olympischen Spielen 2021 in Tokio mit der deutschen Auswahl war für Ache nicht nur sportlich ein Highlight – sondern fast wie ein kleiner Vorgeschmack auf einen Wunschtraum, wie er zuletzt im Sky-Format „Meine Geschichte“ verriet: „Ich würde gerne mal in Japan leben.“

Rückblick. Fußballerisch begann seine Reise mit elf Jahren in den Niederlanden, wo er über ein Jahrzehnt blieb, Freundschaften knüpfte und den Weg in den Profifußball fand. Sein Wechsel zurück nach Deutschland zu Eintracht Frankfurt war für ihn als gebürtigen Frankfurter ein Kindheitstraum. Doch die Zeit bei der SGE war ein Auf und Ab: Verletzungen warfen ihn zurück, den Rhythmus fand er selten. Und am Ende stand trotzdem ein großer Titel in seiner Vita: Europa-League-Sieger 2022, inklusive Einwechslung im Halbfinale im legendären Camp Nou in Barcelona.

Mit dem Wechsel im Sommer 2023 zum 1. FC Kaiserslautern fand Ache schließlich das, was ihm zuvor fehlte: Selbstvertrauen und Spielzeit. Die Fans nahmen ihn mit offenen Armen auf, der Stürmer zahlte zurück – und das mit vielen Toren: Ache ist in dieser Saison mit seinen bis dato 17 Saisontreffern aus dem Spiel der Roten Teufel nicht wegzudenken. Bereits in der Spielzeit zuvor lieferte er mit 16 Toren in 26 Zweitliga-Partien ab. Und auch der neue Trainer Torsten Lieberknecht schwärmt von seinem Stürmer: „Das ist wirklich ein unglaublicher Junge, der FCK kann sich wirklich glücklich schätzen, nicht nur wegen seinen Toren, die er schießt, sondern eben auch über den Typen Ragnar Ache.“

Sein sportliches Ziel sei langfristig die Premier League, erzählte Ache bei Sky. Genauso wie das Ende des Animes „Onepiece“ ist aber auch seine sportliche Zukunft noch nicht bekannt. Wenn er jedoch so weitermacht wie in dieser Saison, wer weiß, vielleicht könnte dann sein Traum, einmal auf der Insel zu spielen, irgendwann Wirklichkeit werden…

Foto: Eibner-Pressefoto/Jan Prihoda

Blick in die Lautern-Vitrine

  • Deutscher Meister: 1950/51, 1952/53, 1990/91, 1997/98
  • Deutscher Pokalsieger: 1989/90, 1995/96
  • Deutscher Superpokalsieger: 1988/89, 1989/90
  • Intertoto-Cup-Sieger: 1976/77
  • Deutscher Zweitligameister: 1996/97, 2009/10
  • Landespokal-Südwest-Sieger: 1918/19, 1919/20

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