Es ist Hochsommer, 30 Grad im Schatten, Trinkpausen gehören beim Profifußball längst zum Standard. Alle Spieler versuchen, sich irgendwie abzukühlen und niemandem würde wohl auch nur in den entferntesten Träumen einfallen, jetzt ein langes Shirt unter dem Trikot zu tragen – niemandem bis auf einen: Marlon Ritter. Der Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern trägt selbst an heißen Tagen stets ein langärmeliges Shirt unter seinem Trikot. Doch dabei handelt es sich weder um eine Modefrage noch um Aberglauben. Der gebürtige Essener leidet an einer Rasenallergie – eine Ironie des Schicksals für einen Profifußballer. „Die Rasenallergie beeinträchtigt mich eigentlich gar nicht. Das Einzige ist, dass ich seit gefühlt zehn Jahren mit Langarm-Shirt trainiere. Und im Sommer lege ich mich im Freibad eben nicht auf den Rasen“, erklärte Ritter 2021 in einem Interview mit Magenta Sport.
Ritters Weg zum Profifußball war beinahe vorgezeichnet. Aufgewachsen in der Fußballstadt Essen, begann er bei der SpVg Schonnebeck. Schon mit sieben Jahren wechselte er zum FC Schalke 04. Doch im Jugendalter, mit 15, schien die Karriere ins Stocken zu geraten: Ritter verlor den Spaß am Fußball, er meldete sich ab und widmete sich stattdessen dem Handball. Lange hielt die Auszeit jedoch nicht. Der Spaß am Fußball kehrte zurück und Ritter startete in Essen neu durch.
Über Rot-Weiss Essen führte sein Weg zu Borussia Mönchengladbach, wo er erstmals mit den Profis trainierte – unter keinem Geringeren als Lucien Favre. „Die Zeit bei Gladbach war für mich unvergesslich. Damals spielte der Verein Champions League und in der Bundesliga immer oben mit. Es hat sehr viel Spaß gemacht, aber rückblickend hätte ich mir mehr Gier gewünscht, auch auf dem Platz zu stehen“, erinnert sich Ritter. Nach Gladbach folgten Stationen bei Fortuna Düsseldorf und beim SC Paderborn. Mit den Ostwestfalen marschierte er einst von der 3. Liga bis in die Bundesliga.
2020 wechselte Ritter zum 1. FC Kaiserslautern – ein goldrichtiger Schritt. In fünf Jahren bestritt er 176 Partien für die „Roten Teufel“, erzielte 33 Tore und bereitete 26 Treffer vor. In der vergangenen Saison stand er in 30 Zweitligaspielen auf dem Platz. Seine kämpferische Art, die Bereitschaft, keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen, und seine Präsenz auf dem Feld machen ihn beim Anhang besonders beliebt. Ritter verkörpert das, was am Betzenberg als „echtes Betze-Feeling“ gilt. Deshalb setzt auch Cheftrainer Torsten Lieberknecht weiterhin voll auf Marlon Ritter als Kapitän der Pfälzer: „Ich habe Marlon schon letztes Jahr als Kapitän kennengelernt. Er ist jemand, der den FCK mit sportlichen Leistungen geprägt hat. Außerdem bin ich überzeugt, dass ich ihm noch Dinge mitgeben kann, die ihn zu einem noch besseren Kapitän machen.“ Ob mit oder ohne Langarmshirt spielt am Ende keine Rolle. Für die Fans des 1. FC Kaiserslautern zählt vor allem, dass ihr Kapitän auf dem Platz alles gibt.