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17.04.2024 / Profis

Der 1. FC Köln im Gegnercheck

„Ein Wettkampfspiel zwischen zwei Mannschaften, die in der Tabelle auf den hinteren Plätzen liegen“, lautet die Definition. Kellerduell. Ein eben genau solches steigt am kommenden Samstag (20.4./15.30 Uhr), wenn der SV Darmstadt 98 beim 1. FC Köln gastiert. Der Tabellensiebzehnte empfängt das Schlusslicht der Fußball-Bundesliga. Nach 29. Spieltagen haben die Geißböcke vier Punkte Rückstand auf Platz 16, für den SVD sind es sogar zwölf Punkte auf die sich auf dem Relegationsplatz befindenden Mainzer. Wer entscheidet das Wettkampfspiel im Bundesliga-Keller für sich? Wir nehmen den Gegner der Lilien aus dem Rheinland einmal genauer unter die Lupe.

Kölner Mannschaft vor der Südkurve
Foto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

In der Saison 1997/98 stieg der 1. FC Köln das erste Mal aus der Bundesliga ab. Seit der Einführung 1963 spielten die Geißböcke ohne Unterbrechung in der höchsten deutschen Spielklasse, insgesamt waren die Kölner sogar 49 Jahre am Stück erstklassig gewesen. Weder Peter Neururer noch Lorenz-Günther Köstner schafften es in dieser Saison aber, den FC vor dem ersten Abstieg zu retten.

Seitdem kann der FC Köln mit Verlaub als Fahrstuhlmannschaft beschrieben werden, fünf weitere Male ist man abgestiegen, sechs Mal durften sich die Rheinländer über einen Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus freuen. Insgesamt neun Saisons haben die Kölner in der 2. Bundesliga verbracht, jetzt droht die zehnte dazuzukommen.

Nach 29. Spieltagen findet sich das Team um Trainer Timo Schultz auf Platz 17 wieder, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt vier Punkte, auf den rettenden 15. Platz sogar fünf Punkte. Vor allem die Offensive bereitet den Fans gleich so einige Sorgenfalten: Mit 23 eigenen Treffern stellt Köln den schlechtesten Angriff der Liga. Doch damit nicht genug. Der bisher beste Torschütze Davie Selke (6 Tore) fehlt bis Saisonende aufgrund eines gebrochenen Fußes.

„In jeder Herausforderung liegt immer auch eine Chance“, ist ein Zitat des Kölner Geschäftsführers Christian Keller. Denn auch außerhalb des Fußballplatzes gab es in letzter Zeit keine positiven Nachrichten. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte im Dezember 2023 die von der FIFA ausgesprochene Transfersperre bestätigt. So durfte Köln in der Wintertransferperiode keine neuen Spieler registrieren, auch für die kommende Periode im Sommer gilt die Sperre noch. „Wir haben immer gesagt, dass wir das Szenario Transfersperre stets mitbedacht haben und werden unsere Kaderplanung bis zum Ende der nunmehr feststehenden Sperre dementsprechend gestalten“, sagte Keller und schob positiv nach vorne blickend eben jenes Zitat hinterher: „Dabei gilt: In jeder Herausforderung liegt immer auch eine Chance.“

Der Trainer

„Ich wäre auch gerne mal Nationalspieler gewesen. Ostfriesland war leider nie ein eigenständiger Staat. Von daher gab’s da für mich keine Chance“, sagte Timo Schultz schmunzelnd im November 2020, damals noch als Cheftrainer des FC St. Pauli. Für genau diesen Verein bestritt Schultz in der Saison 2010/11 immerhin vier Bundesliga-Spiele. Insgesamt 17 Jahre war der heute 46-Jährige bei den Hanseaten im Verein, von 2005 bis 2012 als Spieler, seit 2011 dann auch im Trainerbereich.

Doch dass es als Trainer auf jeden Fall klappen würde, war ihm nicht immer klar. Dadurch studierte Schultz auf Anraten seiner Mutter: Erst in Bremen, dann in Hamburg absolvierte er ein Lehramt-Studium im Bereich Sport und Geschichte. „Ich habe früher in diesen Freundebüchern, die man im Kindergarten und so immer bekommt, […] immer Fußballprofi oder Sportlehrer (als Berufswunsch) hingeschrieben. Und jetzt bin ich am Ende Fußballehrer geworden. Das ist quasi eine Mischung aus beidem“, sagte der gebürtige Niedersache dem Fanportal „MillernTon“.

Nach einem kurzen Engagement beim FC Basel 2023, übernahm Schultz schließlich am 4. Januar dieses Jahres den 1. FC Köln. In seinen ersten 13 Spielen hat der frühere Mittelfeldspieler zwölf Punkte mit den Kölner geholt. Die beiden bisherigen Siege konnte seine Mannschaft jeweils zuhause gegen Frankfurt (2:0) und Bochum (2:1) einfahren.

Timo Schultz, Cheftrainer des 1. FC Köln
Foto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Davie Selke, 6 Treffer Florian Kainz, 5 Vorlagen
Faride Alidou, 4 Treffer Denis Huseinbasic, 4 Vorlagen
Florian Kainz, 3 Treffer Benno Schmitz, 2 Vorlagen
Luca Waldschmidt, 3 Treffer Eric Martel, 2 Vorlagen
Jan Thielmann, 2 Treffer Dejan Ljubicic, 2 Vorlagen

Prunkstück

Die Kölner zeichnen sich über durch ihr Spiel über die Außenbahnen aus. Bereits 381 Flanken hat der FC aus dem Spiel heraus geschlagen, das ist mit weitem Abstand (Augsburg 313 Flanken) der höchste Wert der Liga. Bereits in der vergangenen Saison gehörte Köln in dieser Statistik zu den Top-Teams, auch nach dem Trainerwechsel im Winter von Baumgart zu Schultz hat sich an diesem offensiven Stilmittel nicht viel geändert. Auch was das Laufpensum angeht, hält der FC Anschluss an das Top-Drittel der Liga. Mit 3434,7 Kilometern stehen die Domstädter auf dem siebten Platz im ligaweiten Vergleich. Am Ende der vergangenen Saison lag der Effzeh in dieser Statistik übrigens auf Platz eins.

All Eyes on ...

„Die EM ist für mich ein Riesenziel, ein Traum. Auch, weil ich bei den beiden letzten Europameisterschaften nicht dabei war. Das waren die beiden größten Enttäuschungen in meiner Karriere“, sagte Kölns Kapitän Florian Kainz im Interview mit der Kölner Rundschau im Juli 2023. Etwa neun Monate später ist klar, dass Österreich sich für die EM in Deutschland qualifiziert hat, das Team von Trainer Ralf Rangnick wird in der Gruppenphase auf Frankreich, Polen und die Niederlande treffen. „Für mich ist es von enormer Bedeutung, dass Österreich es nach Deutschland schafft und ich dabei bin. Wenn ich dann noch mit dem Nationalteam im Kölner Stadion spiele, wäre der Traum perfekt in Erfüllung gegangen“, zeigt sich der 31-Jährige selbstbewusst. Ob der Mittelfeldspieler es dieses Mal ins EM-Aufgebot schafft, bleibt allerdings abzuwarten, in der letzten Länderspielphase war er abermals nicht im österreichischen Kader.

Internationale Spiele sind auf Vereinsebene für Kainz aktuell undenkbar, für ihn und seine Kölner geht es in dieser Saison einzig und allein um den Klassenerhalt. Im vergangenen Sommer bekam Kainz die Ehre zugeteilt, das Kapitänsamt zu übernehmen. Nach dem Karriereende von Linksverteidiger Jonas Hector stand allgemein fest, dass Kainz mehr Verantwortung übertragen bekommt. Das änderte sich auch trotz Trainerwechsel nicht, unter Timo Schultz ist der Österreicher genauso Kapitän wie vorher unter Steffan Baumgart.

Für den FC hat der 31-Jährige mittlerweile 156 Pflichtspiele bestritten, für keinen anderen Verein lief Kainz öfter auf. Der gebürtige Grazer kam bereits mit acht Jahren zum dortigen Verein Sturm Graz, für den er schließlich 2010 auch sein Bundesliga-Debüt gab. 2014 wechselte er für zwei Saisons zum österreichischen Rivalen Rapid Wien, wobei er vor allem in der zweiten Saison mit sieben Toren und 19 Vorlagen auf sich aufmerksam machte.

Nach zweieinhalb Jahren bei Werder Bremen kam Kainz im Winter 2019 an den Kölner Rhein. Insgesamt fühlt sich der Mittelfeldspieler wohl in Deutschland, wie er im Interview mit dem Kölner Express bestätigte. „Ich bin jetzt seit 2016 in Deutschland, das ist eine lange Zeit. Aber ich muss auch sagen, dass ich mich hier sehr wohlfühle. Ich bin sehr glücklich hier in Köln. Dennoch muss ich auf viel verzichten. Zum Beispiel sehe ich meine Nichten nur alle sechs Monate. Dann hat man manchmal das Gefühl, dass man etwas verpasst“, so Kainz.

In dieser Saison steht der Österreicher bei drei Toren und vier Vorlagen in einer insgesamt schwachen Kölner Offensive. Besonders in Erinnerung bleiben wird ihm aber sein Doppelpack am 8. Spieltag, als der FC im Derby zuhause 3:1 den Rivalen Borussia Mönchengladbach besiegen konnte. Es waren übrigens aber auch die letzten beiden Tore, seitdem konnte sich Kainz nur noch mit Vorlagen auf dem Spielberichtsbogen eintragen.

Florian Kainz, Kapitän des 1. FC Köln
Foto: DFL/Getty Images/Alexander Scheuber

Kölner Trophäenschrank

  • Deutscher Meister: 1977/78, 1963/64, 1961/62
  • Deutscher Zweitligameister: 2018/19, 2013/14, 2004/05, 1999/00
  • Westdeutscher Meister: 1953/54, 1959/60, 1960/61, 1961/62, 1962/63
  • Deutscher Pokalsieger: 1982/83, 1977/78, 1976/77, 1967/68
  • DFB-Hallenpokalsieger: 1993
  • Westdeutscher Pokalsieger: 1963/64, 1952/53
  • UEFA-Pokal-Finalist: 1985/86

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