Eigentlich könnte Merlin Polzin auch heute noch ganz normal im Fanblock stehen – so bodenständig und nahbar ist der 34-Jährige, der inzwischen als aktuell jüngster Cheftrainer der 2. Bundesliga an der Seitenlinie des Hamburger SV agiert. Großspurige Auftritte? Fehlanzeige. Polzin stammt aus dem Hamburger Stadtteil Bramfeld, seine Wurzeln vergisst er nicht – und ein Abheben würde ohnehin nicht zu ihm passen.
Früher wollte er Lehrer werden, studierte auf Lehramt. Doch das Leben schrieb eine andere Geschichte: Wegen einer Arthrose-Erkrankung musste Polzin seine eigene Spielerkarriere im Amateurbereich früh beenden. Die Liebe zum Fußball aber blieb – und führte ihn schließlich über Umwege dorthin, wo er heute steht: als Cheftrainer bei seinem Lieblingsverein. Im Dezember 2024 hat Polzin das Ruder der Hanseaten übernommen – und prägt die Mannschaft mit seiner Spielweise. Mutig, offensiv und ohne Angst nach vorn spielen, so lautet seine Philosophie, die viel mit seiner eigenen Lebenseinstellung zu tun hat. „Das Leben ist zu kurz und zu schön, um es nicht so anzugehen“, sagt Polzin – und verlangt genau diese Haltung auch auf dem Platz.
Der Erfolg gibt ihm recht: Unter Polzin befindet sich der HSV momentan auf Platz zwei der 2. Bundesliga und hat – was den Aufstieg angeht – alles in der eigenen Hand. Dabei geht es Polzin aber nie nur um den schnellen Erfolg oder den Glanz eines Postens: Persönliche Entwicklung, Teamchemie und echte Überzeugung stehen bei ihm über allem. Die richtige Verbindung zum Trainerteam, zur Mannschaft, zu den Fans – das ist es, worauf er setzt.
Dass ein einheimischer Jungspund den HSV nach sieben Jahren Zweitklassigkeit zurück ins Oberhaus führen könnte, ist an Fußball-Romantik fast nicht zu übertreffen. Und Polzin glaubt fest daran: „Das große Ziel steht über allem. Wir gehen gemeinsam in eine Richtung – es gibt kein links und rechts“, sagt er.