Widget
30.04.2025 / Profis

Der Hamburger SV im Gegnercheck

„Wir waren 90 Minuten tot“, brachte es Pierre-Michel Lasogga, der damaliger Stürmer des Hamburger SV über eines der emotionalsten Relegationsspiele der Bundesliga-Geschichte, mit ehrlichen Worten auf den Punkt. Im Jahr 2015 stand der HSV, der „Fußball-Dino“, kurz vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Das besondere daran? Der HSV war bis dato der letzte Klub, der seit Gründung der Bundesliga nie abgestiegen war. Im Hinspiel gegen den Karlsruher SC hatten sich die Hamburger mit einem 1:1 ein offenes Rennen um den Klassenerhalt bewahrt. Doch im Rückspiel drohte der K.o.: Reinhold Yabo brachte den KSC in der 78. Minute in Führung – der HSV schien geschlagen, der erste Abstieg der Vereinsgeschichte nahezu besiegelt. Doch dann kam die Nachspielzeit – und mit ihr der große Auftritt von Marcelo Díaz, der einen Freistoß traumhaft zum 1:1 verwandelte. In der Verlängerung setzte Nicolai Müller dann den Schlusspunkt: Mit seinem Treffer zum 2:1 in der 115. Minute sicherte er dem HSV den Verbleib in der Bundesliga.

Foto: DFL/Getty Images/Boris Streubel

Ein Blick in die Gegenwart zeigt: Diese Zeiten sind Geschichte. Seit sieben Jahren spielt der HSV nun bereits in der 2. Bundesliga. Doch aktuell sind die Hanseaten so nah dran wie lange nicht, endlich den Weg zurück ins Oberhaus zu finden. Drei Spieltage vor Ende der Saison befinden sich die Rothosen auf dem zweiten Tabellenplatz – 53 Punkte auf dem Konto, drei Zähler beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz und vier auf den ungeliebten vierten Rang. Bevor das große Comeback allerdings gelingen könnte, wartet nun jedoch eine weitere Herausforderung: Der SV Darmstadt 98 im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Wir nehmen den kommenden Gegner der Lilien für Euch genau unter die Lupe!

Top-Scorer

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Davie Selke – 20 Tore Jean-Luc Dompé – 12 Assists
Ransford Königsdörffer – 11 Tore Miro Muheim – 10 Assists
Jean-Luc Dompé – 8 Tore Adam Karabec – 7 Assists
Robert Glatzel – 8 Tore Daniel Elfadli – 4 Assists
Adam Karabec – 3 Tore Fabio Baldé – 4 Assists

 

Der Trainer

Eigentlich könnte Merlin Polzin auch heute noch ganz normal im Fanblock stehen – so bodenständig und nahbar ist der 34-Jährige, der inzwischen als aktuell jüngster Cheftrainer der 2. Bundesliga an der Seitenlinie des Hamburger SV agiert. Großspurige Auftritte? Fehlanzeige. Polzin stammt aus dem Hamburger Stadtteil Bramfeld, seine Wurzeln vergisst er nicht – und ein Abheben würde ohnehin nicht zu ihm passen.

Früher wollte er Lehrer werden, studierte auf Lehramt. Doch das Leben schrieb eine andere Geschichte: Wegen einer Arthrose-Erkrankung musste Polzin seine eigene Spielerkarriere im Amateurbereich früh beenden. Die Liebe zum Fußball aber blieb – und führte ihn schließlich über Umwege dorthin, wo er heute steht: als Cheftrainer bei seinem Lieblingsverein. Im Dezember 2024 hat Polzin das Ruder der Hanseaten übernommen – und prägt die Mannschaft mit seiner Spielweise. Mutig, offensiv und ohne Angst nach vorn spielen, so lautet seine Philosophie, die viel mit seiner eigenen Lebenseinstellung zu tun hat. „Das Leben ist zu kurz und zu schön, um es nicht so anzugehen“, sagt Polzin – und verlangt genau diese Haltung auch auf dem Platz.

Der Erfolg gibt ihm recht: Unter Polzin befindet sich der HSV momentan auf Platz zwei der 2. Bundesliga und hat – was den Aufstieg angeht – alles in der eigenen Hand. Dabei geht es Polzin aber nie nur um den schnellen Erfolg oder den Glanz eines Postens: Persönliche Entwicklung, Teamchemie und echte Überzeugung stehen bei ihm über allem. Die richtige Verbindung zum Trainerteam, zur Mannschaft, zu den Fans – das ist es, worauf er setzt.

Dass ein einheimischer Jungspund den HSV nach sieben Jahren Zweitklassigkeit zurück ins Oberhaus führen könnte, ist an Fußball-Romantik fast nicht zu übertreffen. Und Polzin glaubt fest daran: „Das große Ziel steht über allem. Wir gehen gemeinsam in eine Richtung – es gibt kein links und rechts“, sagt er.

Foto: Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

Prunkstück

Passend zur mutigen Spielweise von Trainer Merlin Polzin ist die große Stärke des Hamburger SV ganz klar die Offensive. 66 Tore haben die Rothosen bislang erzielt – mehr als jeder andere Zweitligist. Herausragend dabei ist vor allem Top-Stürmer Davie Selke, der mit 20 Saisontoren die Torjägerliste der 2. Bundesliga anführt – drei Treffer vor seinem ersten Verfolger Ragnar Ache vom 1. FC Kaiserslautern. Doch nicht nur vor dem Tor zeigen sich die Hanseaten stark: Auch in puncto Ballsicherheit setzt der HSV Maßstäbe: Mit einer Passquote von 86,9 Prozent stellen sie den besten Wert der gesamten 2. Bundesliga – dicht gefolgt von Fortuna Düsseldorf (86 Prozent).

All Eyes on ...

„Everybody’s Darling“? Das trifft vermutlich nicht auf ihn zu. Davie Selke hat in seiner Karriere oft Gegenwind gespürt – und vor allem in den sozialen Netzwerken viel Kritik und Hass einstecken müssen. Der 30-Jährige geht damit offen um: Früher zeigte er seine Vorliebe für teure Autos und edle Uhren auf Social Media und steht zu dem, was ihn in jungen Jahren angetrieben hat. „Ich habe immer gedacht, dass Geld oder materielle Dinge die Erfüllung sind. Aber wenn man sich ein bisschen etwas erarbeitet hat und sich Dinge leisten kann, merkt man schnell: Das erfüllt einen nicht“, erklärte er einmal im Interview mit „Fußball mit Vision“.

Heute ist sein Fokus ein anderer. Der Glaube spielt eine zentrale Rolle in Selkes Leben. „Ich besitze diese Dinge zwar noch, aber sie besitzen mich nicht mehr. Früher habe ich mich durch materielle Werte definiert, heute definiere ich mich durch Jesus“, sagt er. Seine Lebensgeschichte ist geprägt von Aufstieg und Veränderung: Aufgewachsen in finanziell schwierigen Verhältnissen, öffnete ihm der Fußball die Tür zu einem besseren Leben.

In der Jugend bei der TSG Hoffenheim merkte Selke, dass es für den ganz großen Traum als Fußball-Profi reichen könnte und seitdem ordnete er dem Fußball alles unter. Bei Werder Bremen schaffte er letztlich den Durchbruch zu den Profis und wechselte kurz darauf nach Leipzig, wo Selke in 53 Spielen 14-mal netzte. Über Hertha BSC, einer kurzen Rückkehr zu Bremen und der Station beim 1. FC Köln landete Selke schließlich beim Hamburger SV. Dort fühlt er sich allem Anschein nach sportlich pudelwohl: Mit 20 Toren in dieser Saison ist Davie Selke der Top-Torjäger der Rothosen – und hat damit einen erheblichen Anteil daran, dass die Hanseaten vom Aufstieg träumen dürfen. Auf dem Platz liefert er – abseits davon hat sich der Stürmer über die Jahre neu erfunden und wirkt sehr gefasst und ausgeglichen.

Foto: Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

Blick in die HSV-Vitrine

  • Europapokal der Landesmeister: 1982/83
  • Deutscher Meister: 1922/23, 1927/28, 1959/60, 1978/79, 1981/82, 1982/83
  • Deutscher Pokalsieger: 1962/63, 1975/76, 1986/87
  • Europapokal der Pokalsieger: 1976/77
  • Deutscher Ligapokalsieger: 1972/73, 2003/04
  • Norddeutscher Pokalsieger: 1925/26, 1953, 1954/55, 1955/56, 1956/57, 1959, 1960

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
„Man hat schon Pferde kotzen sehen“
30.04.2026

„Man hat schon Pferde kotzen sehen“

Unser Cheftrainer sprach auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC (3.5./13.30 Uhr) über die mentale Frische seines Teams, die Marschroute der verbleibenden Spielen und seinen Trainerkollegen, dessen Engagement nach sechs Jahren beim KSC nach dieser Saison endet. 

Der Karlsruher SC im Gegnercheck
30.04.2026

Der Karlsruher SC im Gegnercheck

Linker Haken, "Onehundredandeightyyyyyyy" und den Staffelstab übergeben. Hört sich nicht nach Fußball an - und das stimmt auch. Oft wird der KSC mit Profifußball in Verbindung gebracht, doch bei der Masse an Titel im Gesamtverein lohnt sich auch der Blick abseits des Fußballplatzes. Titel von Baden-Württemberg bis nach Rom.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum KSC-Spiel
30.04.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum KSC-Spiel

Lilien im Wildpark! Der SV Darmstadt 98 gastiert anlässlich des 32. Zweitliga-Spieltags am kommenden Sonntag (3.5./13.30 Uhr) beim Karlsruher SC. Geht die positive Bilanz aus den letzten Aufeinandertreffen aus Sicht der Lilien weiter? Setzen Florian Kohfeldt und Isac Lidberg ihre Serie gegen den KSC fort? Und hört Fabian Schleusener endlich mal auf, gegen den SV 98 zu treffen? Wir haben alle Zahlen & Fakten zum Spiel für Euch zusammengetragen.

Ein Spiel Sperre für Pfeiffer
27.04.2026

Ein Spiel Sperre für Pfeiffer

Das DFB-Sportgericht hat Patric Pfeiffer nach dessen Platzverweis gegen die SV Elversberg für eine Partie gesperrt.

Bölle-Energie
26.04.2026

Bölle-Energie

Als sich Florian Kohfeldt in der Halbzeitpause der Mannschaftskabine näherte, da hörte der Cheftrainer der Lilien genau einen Satz: „It’s not finished“. Ausgesprochen hatte ihn Fraser Hornby und damit die Marschroute für seine Teamkollegen und sich selbst festgelegt. Was folgte, war eine besondere zweite Hälfte des SV 98 und ein Punkt gegen die SV Elversberg, der für die Aufstiegsträume in Südhessen zwar zu wenig sein dürfte, aber trotzdem für Stolz bei den Lilien sorgte.

„Sind physisch über uns hinausgewachsen“
25.04.2026

„Sind physisch über uns hinausgewachsen“

Bis zum Schluss in Unterzahl gekämpft und alles probiert. Doch am Ende müssen die Lilien im ausverkauften Merck-Stadion am Böllenfalltor mit einem 3:3 gegen die SV Elversberg leben. Wie ordnen die Darmstädter Protagonisten die leidenschaftlichen 90 Minuten am Bölle ein? Was sagen beide Cheftrainer zur Partie? Wir haben alle Stimmen für Euch zusammengefasst.

Punkt gegen Elversberg
25.04.2026

Punkt gegen Elversberg

Kein Sieger im Verfolgerduell: Mit 3:3 (2:3) endet das Heimspiel der Lilien gegen die SV Elversberg. Nach zuletzt drei Niederlagen konnte der SV 98 zumindest wieder einen Zähler einfahren und steht nun bei 51 Saisonpunkten. Für die Südhessen trafen Pfeiffer (14.) und Hornby (15., 51.).

Furukawa und Petretta starten
25.04.2026

Furukawa und Petretta starten

Heimspieltag im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Anlässlich des Samstagabendspiels am 31. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga empfängt der SV Darmstadt 98 die SV Elversberg. Und Cheftrainer Florian Kohfeldt verändert seine Startelf gegenüber der Vorwoche auf zwei Positionen. Raoul Petretta ersetzt Fabian Nürnberger (Oberschenkelprobleme). Außerdem startet Yosuke Furukawa für Killian Corredor gegen das Team aus dem Saarland.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Elversberg-Spiel
24.04.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Elversberg-Spiel

Auf ein Neues unter Flutlicht. Am Samstagabend (25.4./20.30 Uhr) spielen die Lilien gegen die SV Elversberg. Wie fallen die Meinungen der Trainer vor dem Spiel aus? Wer pfeift, wer überträgt und kommentiert das Spiel? Und mit welchem Wetter können die Lilien-Fans im Stadion rechnen? Alle Infos für euch in „Matchday Kompakt“ zusammengetragen.

„Darmstadt 98 kann hinfallen, aber liegen bleiben ist keine Option“
24.04.2026

„Darmstadt 98 kann hinfallen, aber liegen bleiben ist keine Option“

Mit welchem Gedanken blickt Florian Kohfeldt auf das Duell am Samstagabend (25.4./20.30 Uhr) gegen die SV Elversberg? Wo sieht er die Stärken des kommenden Gegners? Und wie will seine Mannschaft nach zuletzt drei Niederlagen wieder punkten? Diese und weitere Fragen beantwortete der Lilien-Cheftrainer auf der Pressekonferenz am Freitag (24.4.) in den Katakomben des Merck-Stadions am Böllenfalltor. Wir haben die wichtigsten Kohfeldt-Aussagen aus der PK für Euch zusammengefasst.

Die SV Elversberg im Gegnercheck
23.04.2026

Die SV Elversberg im Gegnercheck

Im Fußballkosmos ist eine Fahrstuhlmannschaft ein Team, das zwischen zwei Ligen pendelt - zu gut für die eine Liga, aber nicht ganz auf dem Niveau der nächsthöheren Liga. Die Folge ist zumeist: viele Aufstiege und viele Abstiege. Doch die SV Elversberg ist gerade dabei, den Begriff neu zu definieren. Denn seit einigen Jahren fährt der Fahrstuhl die SVE nahezu ausschließlich nach oben.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Elversberg-Spiel
23.04.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Elversberg-Spiel

Samstagabend am Böllenfalltor, die siebte Auflage! Diesmal empfängt der SV Darmstadt 98 die SV Elversberg im Merck-Stadion. Beide Mannschaften zeigen sich in der Offensive stark und wissen auch in der Defensive zu überzeugen. Wo gibt es aber dennoch Unterschiede? Und in welcher Statistik stehen sowohl die Südhessen als auch die Saarländer an der Spitze? Alle Fakten und Zahlen zu diesem Duell haben wir hier für euch zusammengestellt.