Foto: eibner Pressefotos 05.10.2025 / Profis
Die Analyse zum Mentalitätsspiel
Die Lilien punkten beim Bundesliga-Absteiger in Kiel. Gegen sehr starke Gastgeber musste der SV 98 frühzeitig die Verletzung von Fabian Nürnberger verkraften und benötigte eine gewisse Anlaufzeit, um in die Partie zu finden. Schlussendlich erkämpften sich die Südhessen einen Zähler und gehen nun mit vier ungeschlagenen Spielen in Serie in die Länderspielpause. Unsere Analyse zum Punktgewinn im Holstein-Stadion.
Szene des Spiels:
Nürnbergers Verletzung. Es waren noch keine zwei Minuten gespielt, da verletzte sich Fabian Nürnberger ohne gegnerische Einwirkung am Knie. Eine genaue Diagnose stand nach dem Spiel natürlich noch aus, doch auf die Partie selbst hatte die Szene eine gewisse Auswirkung. „Unser Matchplan war defensiv schon auch darauf ausgerichtet, dass wir Fabi das Eins-gegen-eins gegen Bernhardsson zugetraut haben. So mussten wir innerhalb des Spiels umbauen und Djanga (Boetius) hat defensiv in einer dynamischen Dreierkette gespielt“, fasste Florian Kohfeldt nach der Partie zusammen und ergänzte: „In den ersten 25 Minuten mussten wir viele Aufgaben lösen, auch systematisch.“ Denn naturgemäß brauchte Ersatzmann Leon Klassen ein wenig Anlaufzeit, um sich in die Partie einzufinden, insbesodnere im direkten Duell mit dem schwedischen Nationalspieler Alexander Bernhardsson, der gemeinsam mit Adrian Kapralik immer wieder im Doppelpack auf der rechten Offensivseite auftauchte.
Genau wie Klassen fand die gesamte Mannschaft der Lilien nach einer knappen halben Stunde deutlich besser in die Begegnung, Kohfeldt sprach von einem „Mentalitätspiel“, das seine Mannschaft bestreiten musste. Diese Begrifflichkeit bezog insbesondere auch die Verletzungen der Leistungsträger Kai Klefisch und eben Nürnberger mit ein, deren Ausfälle das Team im Verbund zufriedenstellend kompensierte. „Leon und Djanga haben das heute gut gemacht“, lobte daher auch Keeper Marcel Schuhen nach Spielende. Die frühe Verletzung Nürnbergers stand daher symbolisch für die verschiendenen Aufgaben, die dem SV 98 in Kiel gestellt wurden und die sie mit einem Punktgewinn lösen konnten. Gleichzeitg sorgte der frühe Wechsel für die angesprochene Veränderung in der Statik der Lilien und hatte damit einen gewissen Einfluss auf das Spielgeschehen. Daher haben wir uns in diesem Fall für diese eher ungewöhnliche „Szene des Spiels“ entscheiden und gegen etwa eine der starken Parade von Marcel Schuhen oder den Treffer von Torjäger Isac Lidberg.
Ansonsten bleibt noch zu sagen: Gute Besserung, Fabi!
Das lief gut:
Die Mentalität. Die Lilien trotzten verschiedenen Widerständen. Sie ließen sich von den angesprochenen Verletzungen nicht aus der Bahn werfen, sie kämpften sich in ein Spiel, in dem sie 25 Minuten lang sehr wenig Spielanteile besaßen und sie wurden auch nach dem Gegentor nicht wild oder hektisch, sondern tüteten eben den einen Auswärtszähler ein. Insbesondere der letzte Umstand freute Torhüter Schuhen: „In Kaiserslautern sind wir nach dem Ausgleich ein wenig auseinandergefallen, heute sind wir ruhig und stabil geblieben.“
Zu dieser Stabilität in der Schlussphase trugen auch die Einwechselspieler Matej Maglica sowie Merveille Papela bei, mit deren Hereinnahmen die Lilien auf einer Dreierkette umstellten und fortan wieder mehr Ballbesitzpassagen besaßen und auch eine Vielzahl an Zweikämpfen gewannen. Auch eine Frage der Mentalität. Klassen, Maglica, Papela. Alle drei waren im Kopf bereit dafür, ihre Ausgabe auszufüllen und der Mannschaft so zu helfen. Apropos „Bereit im Kopf“… Isac Lidberg zeigte einmal mehr seine besondere Form von Mentalität: seinen Killerinstinkt. Lange mit einem schweren Stand gegen die Kieler Defensive, nutzte der Top-Torjäger der Liga seine erste richtige Möglichkeit eiskalt aus.
Der Punktgewinn. „Siegesserie von Darmstadt 98 reißt in Kiel“, lautete eine mediale Überschrift nach Abpfiff der Begegnung im hohen Norden. Inhaltlich natürlich richtig, nachdem die Lilien zuvor drei Erfolge hintereinander einfahren konnten. Und doch würden wir es an dieser Stelle lieber mit dem Titel des Darmstädter Echos halten: „Spieler von Darmstadt 98 freuen sich über den Punkt in Kiel.“ Denn die Kieler legten einen wirklich starken Auftritt hin, überhaupt ist ein Unentschieden bei einem ambitionierten Bundesliga-Absteiger im Normalfall eine eher positive Sache. „Kiel war die stärkste Mannschaft, gegen die wir bislang in dieser Saison gespielt haben“, resümierte Kohfeldt. Widersprechen wollte ihm an diesem Samstagnachmittag niemand. „Es ist ein guter Punkt für uns, weil Kiel eine sehr gute Mannschaft ist“, brachte es Aleksandar Vukotic auf den Punkt und fasste zusammen: „Vier ungeschlagene Spiele fühlen sich gut an. Darüber sind wir glücklich.“
In eine ähnliche Richtung ging auch Kohfeldt, der mit Blick auf die vergangenen Wochen noch einmal kurz zum Kopfrechnen überging: „Wir haben zwischen den beiden Länderspielpausen zehn Punkte geholt, bei einem Torverhältnis von 8:2. Da fahre ich nicht unzufrieden nach Hause.“
Das Ende einer Siegesserie kann sich also durchaus gut anfühlen.
Das lief nicht gut:
Die ersten 25 Minuten. In diesem Zeitraum gelang es den Lilien kaum, Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Auch bedingt durch die Umstellungen und Herausforderungen nach der Nürnberger-Verletzung, passten die Abstände beim SV 98 in diesem Zeitraum nicht vollends, die Gastgeber hatten das Spielgeschehen fest in der Hand, überlagerten immer wieder den Flügel und kamen auch zu einigen guten Gelegenheiten. Zudem sorgten die „Störche“ mit ihrem sehr guten Anlaufverhalten dafür, dass die Lilien ihren gewohnten Spielaufbau nicht aufziehen konnten und immer wieder auch mit langen Bällen operieren mussten.
Die Präzision im letzten Drittel. Die Lilien hatten auch in Kiel ihre Torchancen. Es hätten aber noch einige mehr sein können. „Die Sauberkeit müssen wir weiter verbessern“, so Kohfeldt, angesichts von einigen Abspielfehlern oder falschen Entscheidungen im Offensivbereich. „Wir kommen häufig in die Räume, aber werden dann hektisch und wollen etwas Besonderes machen. Weltklasse ist, wenn du den Ball mit zwei Kontakten getimed in den Fuß spielst. Auch dort. Daran müssen wir weiterhin arbeiten.“
Das Gegentor. „Du musst in so einem Spiel in jedem Moment wach sein. Und wir haben einmal auf den Flügel losgelassen, haben den tiefen Lauf nicht verfolgt, dadurch wurden der Querpass und das Traumtor möglich. Das ärgert mich ein bißchen.“ Den Kohfeldt-Sätzen gibt es nichts mehr hinzuzufügen.
Zitat des Tages
Heute hatten wir total viele Aufgaben zu lösen. Und mit dem Punkt haben wir das für uns zufriedenstellend hinbekommen.