„Wir sind mit der Serie im Rücken selbstbewusst, gerade hier zu Hause muss uns erst mal jemand schlagen“, sprach Fabian Holland hinterher über das Bollwerk Böllenfalltor. Auch im 13. Pflichtspiel dieser Saison blieben die Lilien im Merck-Stadion am Böllenfalltor ungeschlagen, saisonübergreifend konnte bereits seit Mitte April kein Verein mehr die volle Punktzahl aus Südhessen entführen. Warum, das zeigte die Partie gegen den HSV einmal mehr: Eine Mannschaft, die sich auch vom frühen Gegentreffer nicht aus der Bahn werfen ließ, sondern ihr Heil im Angriffsspiel suchte, in Zusammenarbeit mit einem frenetischen Heimpublikum, das ihre Farben unablässig und lautstark nach vorne peitschte. Der Lohn war das späte, aber mehr als überfällige Ausgleichstor durch Filip Stojilkovic. Torsten Lieberknecht: „Wenn wir hier heute als Verlierer vom Platz gehen, wäre das extrem unverdient gewesen. Wir haben 90 Minuten Vollgas gegeben, hatten mehr Ballbesitz und sind sehr mutig angelaufen.“
Mit spielerischer Dominanz zum mehr als verdienten Punkt
Viel wurde in der laufenden Spielzeit über die starke Defensivarbeit der Lilien gesprochen, über die taktische Variabilität und Flexibilität sowie den Willen und die Power der Mannschaft. Fast zu kurz kommt die spielerische Klasse der Südhessen, die sich einmal mehr gegen den HSV zeigte. Gegen einen Klub, der nach eigenen Aussagen „immer dominieren“ und den Ball haben will, zogen die Südhessen insbesondere im ersten Durchgang ein 45-minütiges Powerplay auf. Mit leidenschaftlichem Gegenpressing und schnörkellosem Flügelspiel drückte man die Hamburger tief in die eigene Hälfte. Nach den ersten 45 Minuten wies der Ballbesitzanteil über 60 Prozent auf, zum Abpfiff bilanzierte die Statistik 55 Prozent für die Hausherren.
Mehr gewonnene Zweikämpfe und eine für den HSV niedrige Passquote von 67 Prozent sind weitere belastbare Werte für einen spielerisch dominanten Auftritt des SV 98 – der übrigens nicht, wie hinterher auf der Pressekonferenz kurioserweise behauptet, auf langen Bällen basierte, sondern aus Direkt- und Schnittstellenpässen sowie Überlagerungen des Flügels. Phillip Tietz: „Man hat gesehen, was für Stafetten wir gespielt und wie wir kombiniert haben.“ Und sein Kapitän bilanzierte: „Wir hatten sicherlich mehr vom Spiel und haben wieder gezeigt, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen. Hamburg hatte angekündigt, uns dominieren zu wollen, davon war heute wenig zu sehen. Wir haben über 90 Minuten einen wirklich guten Ball gespielt gegen eine Mannschaft mit enormer Qualität.“
Der nächste Brocken wartet
Nach der Qualitätsmannschaft ist vor der Qualitätsmannschaft: Lilienfans brauchen sich auch am kommenden Wochenende erneut nicht den Wecker zu stellen, denn zum dritten Mal im Folge spielt ihre Mannschaft am Samstagabend (4.3./20.30 Uhr) – diesmal beim formstarken Tabellendritten 1. FC Heidenheim, der ebenso wie die Lilien in der Rückrunde noch unbesiegt ist. Das nächste Highlightspiel, in dem man die nächste Highlightleistung bringen will. Aber, wie auch vor dem HSV-Spiel wollen die Lilien bodenständig bleiben – Parolen wird man vermutlich auch in dieser Woche nicht hören. „Große Töne spucken, war noch nie unser Ding, vor allem wenn man sieht, was nun für Spiele auf uns warten. Deswegen schauen wir nur nach Heidenheim.“ Eine Herangehensweise, die sich in der laufenden Spielzeit schon oft als die richtige herausgestellt hat.