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05.10.2023 / Profis

FC Augsburg im Gegnercheck

Die Saison 2015/16. Eine Spielzeit, die sowohl der SV Darmstadt 98 als auch der FC Augsburg wohl nie vergessen werden. Während sich die Lilien als Aufsteiger den Bundesliga-Klassenerhalt sicherten, ging es für die Mannschaft aus der Fuggerstadt plötzlich gegen den FC Liverpool. Erst zuhause, dann an der legendären Anfield Road. Der FC Augsburg im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League. Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Eine Saison zuvor hatte sich das Team aus dem bayerischen Schwabenland als Fünftplatzierter der Bundesliga erstmals für das internationale Geschäft qualifiziert.

Foto: DFL/Getty Images/Sebastian Widmann

Plötzlich also nicht mehr Bayernliga wie noch zu Beginn der 2000er Jahre. Auch nicht mehr 2. Bundesliga wie in den Jahren zwischen 2006 und 2011. Nein, es ging zu Athletic Bilbao nach Spanien. In die serbische Hauptstadt zu Partizan Belgrad und zum AZ Alkmaar in die Niederlande. Eine namhafte Gruppe in der Europa League, in der sich der FCA als Tabellenzweiter für die Zwischenrunde qualifizierte. Und dann plötzlich Liverpool. Im Februar 2016 war das. Jürgen Klopp hatte die Reds damals erst im Oktober des Vorjahres übernommen. Das Hinspiel in Augsburg? Torlos. Im Rückspiel reichte dem englischen Spitzenteam um Coutinho, Firmino, Millner und Henderson dann ein 1:0 an der Anfield Road. Der FC Augsburg war damit aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Doch die Erinnerungen an das wohl größte Spiel der Vereinsgeschichte bleiben.

Das ist nun über sieben Jahre her. Jürgen Klopp trainiert noch immer den FC Liverpool. Und der FC Augsburg? Er darf sich noch immer Bundesligist nennen. Seit dem Aufstieg 2011 sind die Fuggerstädter ununterbrochen in der Beletage des deutschen Fußballs vertreten. Von vermeintlichen Experten oftmals genannt, wenn es darum ging, wer denn in dieser und jener Saison den Gang in die 2. Liga antreten muss, hat es der FC Augsburg stets geschafft, über dem Strich zu bleiben. So befinden sich die Augsburger aktuell in ihrer 13. Bundesliga-Spielzeit in Folge und sind am 7. Spieltag der Saison 2023/24 der Gegner des SV Darmstadt 98. Grund genug also, den kommenden Kontrahenten der Lilien genauer unter die Lupe zu nehmen. Der FC Augsburg im Gegnercheck.

Der bisherige Saisonverlauf

Spieltag Paarung Ergebnis
1 FC Augsburg – Borussia Mönchengladbach 4:4
2 Bayern München – FC Augsburg 3:1
3 FC Augsburg – VfL Bochum 2:2
4 Leipzig – FC Augsburg 3:0
5 FC Augsburg – Mainz 05 2:1
6 SC Freiburg – FC Augsburg 2:0

Der Trainer

Zwei Innen- und Kreuzbandrisse. Und das auch noch im gleichen Knie. Ein Verletzungsbild, welches das eigene Karriereende nahelegt. So auch bei Enrico Maaßen. Der heutige Trainer des FC Augsburg musste die Schuhe bereits früh an den Nagel hängen, doch dem Fußballgeschäft blieb er bis heute treu.

Rückblick. Vom Fitnessstudio an der Hamburger Meile an die Seitenlinie des SV Drochtersen/Assel. Neben seiner absolvierten Ausbildung im Bereich der Fitness- und Sporttherapie startete er beim damaligen Oberligisten in seine Trainerlaufbahn. Und das erfolgreich. Gleich am Ende seinen ersten Saison packte er 2015 mit den Niedersachsen den Aufstieg in die Regionalliga Nord und führte das Team erstmals in den DFB-Pokal. Nach insgesamt vier Jahren zog es Maaßen weiter zum SV Rödinghausen, wo er sich mit der Regionalliga-Meisterschaft 2020 sowie dem zweitbesten Punkteschnitt der Vereinshistorie für die Trainerstelle bei Borussia Dortmund II empfehlen konnte. Auch beim BVB ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten, so machte der in Wismar geborene Übungsleiter gleich in seinem ersten schwarz-gelben Jahr den Aufstieg in die 3. Liga perfekt.

Gegenwart. Seit der Saison 2021/22 steht der 39-Jährige an der Seitenlinie des FC Augsburg. „Auf dem Platz ist es meine Stärke, die Mannschaft gut auf den Gegner einzustellen und ihr einen Plan mit und gegen den Ball mitzugeben“, so beschreibt er sich selbst. Als Trainer stehe er für einen mutigen und vor allem zweikampforientierten Fußball. Er fordere von seinen Spielern eine sehr hohe Laufbereitschaft mit und ohne Ball. So schaffte er in der vergangenen Spielzeit mit dem FCA den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Foto: eibner Pressefotos

Prunkstück

Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf. Die beiden wohl bekanntesten Protagonisten aus der Augsburger Puppenkiste. „Eine Insel mit zwei Berger“, singen sie über ihr schönes Lummerland. Ein Lied, welches die Fans des FC Augsburg wohl mittlerweile auswendig mitsingen können – selbst, wenn sie erst mit Anfang dieser Saison zur Anhängerschaft des Klubs aus der Fuggerstadt gehören. Denn das Lummerland-Lied läuft in der Augsburger WWK-Arena hoch und runter. Es ist die Torhymne des FCA, die in der bisherigen Spielzeit bereits achtmal durch die Stadionlautsprecher ertönte. Und damit sind wir beim Prunkstück der Augsburger: Die Heimstärke der Offensive. Gleich acht Tore erzielten die Fuggerstädter bis dato in der heimischen Arena. Nie zuvor durfte das FCA-Publikum so viele Tore in den ersten drei Heimspielen bejubeln. Nur die Top-Offensiven dieser Bundesliga-Saison aus Stuttgart (13), Leverkusen und München (beide 12) sowie Leipzig (10) übertreffen diese Ausbeute.

All Eyes on ...

Wer hätte es gedacht? Das Mentalitätsmonster der Augsburger ist niemand geringeres als der Kapitän. „Ich bin kein Schönwetter-Fußballer, der nur glänzen will“, beschrieb sich Ermedin Demirovic einst selbst in einem Interview mit dem Online-Portal SPOX: „Ich gehe an meine Grenzen und will auch in scheinbar aussichtslosen Situationen alles versuchen.“ Der 25-Jährige ist ein Spieler, der es in sich hat. Gleich an sechs der neun bisherigen Saisontore der Fuggerstädter war er beteiligt, drei davon schoss er sogar selbst.

Doch wir blicken zunächst fast ein komplettes Jahrzehnt zurück: Mit 16 Jahren zog der gebürtige Hamburger mit bosnischen Wurzeln von zuhause aus und wechselte vom HSV in die Jugendabteilung von Leipzig, wo er unter Achim Beierlorzer seine ersten Schritte in Richtung Fußballprofi machte. Doch der Weg dorthin? Steinig. „Manchmal gab es Tage, an denen ich mich eingeschlossen und gesagt habe: Ich habe keinen Bock mehr, ich komme zurück nach Hamburg und Fußball ist mir egal. Ich will das alles gar nicht mehr“, verriet Demirovic einst gegenüber dem Kicker.

Von solchen Gedanken aber ist heute keine Spur mehr vorhanden. Im Sommer 2022 wechselte der Mittelstürmer vom SC Freiburg zum FCA. In Augsburg fühlt sich der vor der aktuellen Saison zum frischgebackenen Kapitän ernannte Demirovic pudelwohl und das zahlt sich aus. Man kann es ihm auf dem Platz ansehen, aber auch daneben ist er für die Mannschaft ungeheuer wichtig. Demirovic, der zuvor sowohl in Spanien und Frankreich als auch in der Schweiz und natürlich in der Bundesliga reichlich Erfahrung sammelte, sagt: „Ich war in vielen Ländern, bei vielen Vereinen und versuche, den Mitspielern auf und neben dem Platz zu helfen.“ In der Kabine fungiert er als DJ und stimmt sein Team stets auch musikalisch auf die Spiele ein. Auf dem Platz zeichnen ihn Ehrgeiz, Intensität und vor allem sein Torhunger sowie das Auge für den Mitspieler aus. Auch seine Geschwindigkeit mit 32,47 km/h zeigt, dass man diesen Mann definitiv nicht aus dem Auge lassen sollte.

Foto: DFL/Getty Images/Sebastian Widmann

Vergleichswerte

Mit rund 32,8 Millionen Euro weist der SV Darmstadt 98 laut transfermarkt.de nach Heidenheim (29 Mio.) den geringsten Marktwert der 1. Fußball-Bundesliga auf. Zwar liegt der FC Augsburg im Ligavergleich nur drei Plätze vor den Lilien. Doch haben die Fuggerstädter einen viermal so hohen Gesamtmarktwert als der SV 98 – 120,95 Millionen Euro, so schätzt das Online-Portal. Allein Ermedin Demirovic hat mit 12 Millionen Euro einen viermal so hohen Marktwert wie Bartol Franjic, der laut transfermarkt.de der wertvollste Spieler im Kader des SV Darmstadt 98 ist.

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