„Hör niemals auf zu träumen, die Zeit wartet nicht auf dich“, steht übersetzt auf einem Tattoo auf dem linken Unterarm von Bayerns Abwehrspieler Min-Jae Kim. Und dieses spricht im Hinblick auf die Karriere des heute 26-Jährigen Bände. Der Südkoreaner wuchs in armen Verhältnissen in einer kleinen Hafenstadt an der Südküste von Südkorea auf. Zum Training fuhr er nicht wie die anderen Kinder in einem „normalen“ Auto. Stattdessen wurde er mit einem Fischtransporter zum Treffpunkt gefahren. „Momente, die mich zu dem gemacht haben, was ich bin“, sollte er später feststellen. Auch eigene Fußballschuhe blieben Kim verwehrt, denn dazu fehlte der Familie das Geld. Doch was ihm zu Gute kam: Eltern, die selbst aus dem Profisport stammten. Die Mutter eine Leichtathletin, der Vater ein Judoka. Sie vererbten ihm Schnelligkeit und Stärke, die ihn bis heute auszeichnen.
In seiner Jugend kickte der südkoreanische Verteidiger überwiegend in Schul- und High School Mannschaften, bis er seinen ersten Durchbruch schaffte und für die Auswahl der U17-Nationalmannschaft nominiert wurde, später sollte er mit Südkorea sogar die Goldmedaille bei den Asiameisterschaften 2018 gewinnen. Sein Debüt in der ersten südkoreanischen Liga feierte er derweil mit Jeonbuk Hyundai Motors und spielt anschließend zwei Jahre in China für Beijing Guoan. Über Fenerbahce Istanbul schaffte der Innenverteidiger schließlich den Sprung nach Europa – SSC Neapel, ein Club aus den Top-Fünf-Ligen der Welt. Nur ein Jahr blieb er dort. Doch reichte ihm nur diese einzige Saison, um 2022/23 mit Neapel die Meisterschaft zu gewinnen und zum besten Verteidiger der Serie A gekürt zu werden.
Von Neapel nach München. Seit diesem Sommer trägt er das Trikot des FC Bayern München und ist Stammspieler in der Innenverteidigung – bisher stand das „Abwehrmonster“ an allen acht Spieltagen von Beginn an auf dem Platz. Nichts anderes hatte Kim sich für die Anfangszeit bei den Bayern vorgenommen, wie er in einem vereinsinternen Interview verriet: „Ich konzentriere mich derzeit auf ein einziges Ziel: In jedem Spiel auf dem Platz stehen zu können.“ Für die Bayern ist er ein echter Transfer-Hauptgewinn. Der 1,90 Meter große Südkoreaner liefert eine Passquote von 95,23 Prozent, was Platz drei in der Ligastatistik ausmacht. Außerdem liegt er mit einer Zweikampfquote von 66,07 Prozent auf Platz sieben in der ligaweiten Gesamtliste. Kombiniert mit seiner Schnelligkeit – bis dato gemessen Höchstgeschwindkeit bei 34,32 km/h – ist er eine echte Waffe in der Münchener Abwehr. „Er ist groß, schnell und super zuverlässig“, schwärmte auch Trainer Thomas Tuchel bereits von dem Spieler mit der Rückennummer drei in der Abwehrkette. Über seinen Spitznamen das „Abwehrmonster“ sagte Kim übrigens einst gegenüber der englischen Zeitung The Guardian: „Ich mag ihn. Er bringt meine positiven Eigenschaften als Verteidiger auf den Punkt.“