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16.04.2025 / Profis

Hannover 96 im Gegnercheck

Platz sieben, nur ein Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz. Und trotzdem musste Stefan Leitl im vergangenen Dezember seinen Cheftrainersessel räumen. Der Glaube sei nicht mehr vorbehaltlos vorhanden gewesen, in dieser Konstellation um den Aufstieg spielen zu können, hieß es damals in der Pressemitteilung der Hannoveraner. André Breitenreiter wurde zum Nachfolger ernannt. Unter dem neuen Chefcoach gelangen allerdings nur drei Siege aus zwölf Rückrundenspielen – Platz neun und vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz stehen daher aktuell zu Buche. Hinzukam zuletzt ein bitteres 1:3 gegen Elversberg sowie der schwere Schien- und Wadenbeinbruch von Jessic Ngankam, dem zweitbesten Torschützen der 96er. In unserem Gegnercheck versorgen wir Euch mit allem Wissenswerten rund um Hannover 96.

Foto: Eibner-Pressefoto/ Justin Derondeau

Top-Scorer

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Nicolò Tresoldi – 6 Tore Enzo Leopold – 4 Assists
Jessic Ngankam – 4 Tore Nicolò Tresoldi – 3 Assists
Hyun-ju Lee – 3 Tore Andreas Voglsammer – 2 Assists
Marcel Halstenberg – 3 Tore Havard Nielsen – 2 Assists
Andreas Voglsammer – 2 Tore Jannik Rochelt – 2 Assists

Der Trainer

Was haben Felix Magath, Bushido, ein drei Meter langer Biertisch und Currywurst mit Pommes gemeinsam? Auf den ersten Blick: Nichts. Auf den zweiten Blick: André Breitenreiter, aktueller Cheftrainer von Hannover 96.

Der Fußball war bei Breitenreiter von klein auf mehr als nur ein Hobby – er war Familiensache. Sein Vater benotete nach jedem Spiel die Leistung des Sohnes – und als Belohnung gab es oft Currywurst mit Pommes. Schon früh wurde klar: Wer Erfolg will, muss dafür hart arbeiten. Und das tat Breitenreiter. Als Spieler schnürte er unter anderem für den Hamburger SV, den VfL Wolfsburg und Hannover 96 die Schuhe. In Hamburg traf er auf einen Trainer, der ihn nachhaltig prägte: Felix Magath. „Er war für mich ein Vorbild in Sachen Fitness, Fairness und Leistungsbereitschaft“, erinnert sich Breitenreiter.

Später sollte er diese Tugenden als Trainer selbst verkörpern. Mit dem SC Paderborn schaffte er den vielbeachteten Aufstieg in die Bundesliga, das Gleiche gelang ihm später auch mit Hannover 96. Mit Schalke 04 zog er einst sogar in die Europa League ein – und wurde trotz sportlichem Erfolg entlassen. Die Gründe lagen weniger auf dem Platz als im Zwischenmenschlichen: „Die persönliche Stimmungsmache gegen mich habe ich mir sehr zu Herzen genommen“, sagte Breitenreiter einmal im Sport1-Interview. Auf dem Heimweg verarbeitete er seinen Frust mit lautstarker Unterstützung von Rapper Bushido – ganz alleine im Auto.

Seinen bislang emotionalsten Triumph feierte Breitenreiter 2022 mit dem FC Zürich: Nach 13 titellosen Jahren führte er den Klub überraschend zur Meisterschaft. Der Mannschaftsbus bebte vor Emotionen, es flossen Tränen und Co-Trainer Alain Nef sorgte für den wohl spektakulärsten Feier-Moment des Abends: Ein drei Meter langer Diver über einen mit Bier getränkten Biertisch, inklusive Rolle vorwärts. Mit dabei damals als Co-Trainer von Breitenreiter: Darius Scholtysik, heute Co-Trainer bei den Lilien unter Florian Kohfeldt.

André Breitenreiter ist nicht nur ein akribischer Arbeiter, sondern auch ein Typ mit Ecken, Kanten und Geschichten – einer, der für seinen Weg einsteht, sich treu bleibt und der Fußballwelt zeigt, dass Professionalität und Persönlichkeit keine Widersprüche sind. Hannover ist nun das nächste Kapitel einer Karriere zwischen Bundesliga, Bushido und Biertischen.

Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler

Prunkstück

Für die Offensivakteure von Darmstadt 98 wird es vermutlich ein schwieriges Spiel werden: Hannover 96 stellt die beste Defensive der 2. Bundesliga in dieser Saison. Mit gerade einmal 30 Gegentoren hat keine Mannschaft weniger Tore kassiert. Zudem sind die Niedersachsen sehr bissig, aber dennoch fair: Trotz der drittmeisten begangenen Fouls hat die Elf von Andre Breitenreiter nur 64 Karten erhalten. Der Wert wird nur von Elversberg (63) und Fürth (62) unterboten.

All Eyes on ...

Ron-Robert Zieler mag es an Weihnachten gerne kitschig. Lichterketten, Glitzerkugeln und jede Menge Familienzeit – der Weltmeister von 2014 lebt die Feiertage mit vollem Herzen. Doch was sich heute so heimelig und ruhig anhört, war nicht immer so. Der Weg dorthin? Ein Fußball-Abenteuer mit Stationen zwischen Cristiano Ronaldo, Sir Alex Ferguson und einem Weltmeistertitel in Brasilien.

Mit gerade einmal 16 Jahren wechselte Zieler von Köln zu Manchester United – mitten hinein in die Fußballwelt der Superstars. Dort trainierte er mit Größen wie Cristiano Ronaldo und Ruud van Nistelrooy, wohnte bei einer englischen Gastfamilie und lernte den rauen englischen Alltag eines Weltklubs kennen.

Der Durchbruch als Profi gelang Zieler aber nicht in Manchester, sondern später 2011 bei Hannover 96 unter Mirko Slomka. Innerhalb eines halben Jahres wurde aus dem talentierten Keeper der Stammtorhüter – und kurz darauf sogar ein Nationaltorwart. Joachim Löw nominierte ihn für die DFB-Elf. Und 2014 krönte sich Zieler in Brasilien als Ersatzkeeper mit dem Weltmeistertitel.

Nach dem Titel führte ihn sein Weg zurück nach England: Leicester City hieß das Ziel 2016, ehe es über den VfB Stuttgart zurück zu Hannover 96 ging. Nach einer Leihe zum 1. FC Köln kehrte er 2021 wieder dauerhaft nach Niedersachsen zurück – dorthin, wohin sein Herz sportlich wohl am meisten gehört.

Heute ist Ron-Robert Zieler nicht nur ein erfahrener Rückhalt zwischen den Pfosten, sondern auch ein Spieler, der so ziemlich alles erlebt hat: Jugendträume in Manchester, WM-Gold in Brasilien, Weihnachtsromantik im Wohnzimmer. In Hannover ist er zuhause. „Ron ist ein Gesicht dieses Klubs. Er hat Hannover 96 in den zurückliegenden Jahren mitgeprägt“, sagt 96-Sportdirektor Marcus Mann über seinen Keeper. „Als Kapitän übernimmt er viel Verantwortung, ist für alle Mitspieler und auch für mich ein wichtiger Ansprechpartner in der Kabine. Und last but not least: Er spielt eine Saison auf konstant hohem Niveau.“

Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler

Blick in die Hannover-Vitrine

  • Deutscher Meister: 1937/38, 1953/54
  • Deutscher Zweitligameister: 1974/75, 1986/87, 2001/02
  • Deutscher Pokalsieger: 1991/92
  • Landespokalsieger: 1996/97, 1997/98

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