„Eine hochverdiente Niederlage“
Wir haben die Stimmen nach der deutlichen Auswärtsniederlage beim KSC zusammengefasst.
Hertha BSC oder die "Alte Dame" wie die Berliner häufig genannt werden, wurde 1892 von den Brüderpaaren Fritz und Max Lindner, sowie Otto und Willi Lorenz gegründet. Namensgeberin war übrigens kein Mensch, sondern ein blau-weißer Ausflugsdampfer namens „Hertha“, der einst über Spree und Havel schipperte. Am Samstag (12.4./13 Uhr) wollen die Lilien den Berliner Kahn gehörig ins Wanken bringen. Was es sonst noch über den drittältesten Klub der Bundesliga-Historie zu wissen gibt, zeigen wir Euch hier.
Seit ihrer Gründung hat die Alte Dame, genauso wie ihre Geburtsstadt, eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Mit Bundesliga-Gründung 1963 gehörte Hertha zunächst zum Oberhaus, musste aber 1965 in die Regionalliga absteigen. Es folgten bewegte Jahrzehnte mit Auf- und Abstiegen – der größte sportliche Erfolg nach der Meister-Ära war der Vizemeistertitel 1975. In der Saison 1999/2000 spielte Hertha erstmals in der UEFA Champions League, auch in den 2010er Jahren qualifizierte sich der Club mehrfach für den Europapokal. Das Olympiastadion Berlin ist seit 1963 die Heimat des Clubs, dessen Motto „Die Zukunft gehört Berlin“ den Blick klar nach vorn richtet – auf neue Ziele, getragen von einer bewegten Vergangenheit.
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Derry Scherhant – 7 Tore | Jonjoe Kenny – 7 Assists |
| Fabian Reese – 7 Tore | Derry Scherhant – 6 Assists |
| Michaël Cuisance – 6 Tore | Ibrahim Maza – 5 Assists |
| Ibrahim Maza – 5 Tore | Michaël Cuisance – 5 Assists |
| Florian Niederlechner – 5 Tore | Pascal Klemens – 3 Assists |
Das Jugendwort „Bromance“ beschreibt eine intensive, fast schon filmreife Männerfreundschaft – zwei Männer, die unzertrennlich wirken und sich blind vertrauen. Hertha-Trainer Stefan Leitl und sein Co-Trainer Andre Mijatović ist das perfekte Beispiel für eine solche Verbindung.
Die beiden teilen nicht nur dieselben Ideen vom Fußball, sondern auch eine Wohnung. In Berlin leben sie gemeinsam in einer Männer-WG – und das keineswegs aus reiner Wohnungsnot. Schon bei ihren vorherigen Stationen in Fürth und Hannover haben sie zusammengewohnt. Was verbindet, sind Vertrauen, Humor – und eine gewisse Routine. Auch wenn es in der Küche wohl noch Luft nach oben gibt: „Andre hat in Hannover nicht gut gekocht. Das muss ich jetzt wohl übernehmen“, scherzt Leitl mit Blick auf die WG in Berlin.
Abseits kleiner kulinarischer Differenzen scheint die Zusammenarbeit auf dem Platz umso besser zu funktionieren: Seit dem Einzug in ihre Berliner WG nahe des Olympiastadions hat Hertha BSC alle drei Partien gewonnen – gegen Braunschweig, Karlsruhe und Köln. Die „Alte Dame“ zeigt sich stabilisiert, spielfreudig und wieder im Takt.
Leitl und Mijatović sind mit dem klaren Ziel nach Berlin gekommen: kurzfristig Stabilität bringen, langfristig an bessere Zeiten anknüpfen. Und solange ihre sportliche Bromance so reibungslos läuft wie derzeit, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Hertha schon bald wieder in ruhigeren Gewässern schippert.
„The trend is your friend“: In diesem Fall vor allem der Freund der alten Dame. Nach zuletzt sieben sieglosen Spielen scheint es Leitl gelungen zu sein, den Schalter umzulegen. Drei Spiele konnte der Hauptstadtclub hintereinander mit einem Torverhältnis von insgesamt 9:2 gewinnen. Und nicht nur das: Die Hertha ist enorm stark darin, den Ball von den Flügeln auf direktem Weg in die gefährliche Zone zu befördern. Mit 328 Flanken aus dem Spiel heraus, liegen sie in dieser Statistik auf Platz drei der 2. Bundesliga hinter Karlsruhe und Paderborn.
Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick? Für viele ist das die Voraussetzung für das perfekte Match. Doch manchmal braucht es eben einen zweiten Blick – und ein bisschen Geduld. Das beste Beispiel: Fabian Reese und Hertha BSC. Denn zwischen dem Offensivspieler und der „Alten Dame“ hat es anfangs eher weniger gefunkt.
Wir schreiben das Jahr 2015. Am 21. November feiert Reese in der Veltins-Arena sein Profi-Debüt für den FC Schalke 04 – ausgerechnet gegen den FC Bayern München. Drei Minuten Einsatzzeit, die den Start einer besonderen Karriere markieren. Über Stationen beim Karlsruher SC und der SpVgg Greuther Fürth führt ihn sein Weg schließlich zurück in die Heimat: zu Holstein Kiel, dem Verein seiner Geburtsstadt.
Bei den „Störchen“ wird Reese zum Leistungsträger. 119 Spiele, 17 Tore, 30 Assists – Werte, die auch bei Bundesligisten für Aufmerksamkeit sorgen. Im Januar 2023 dann die große Ankündigung: Fabian Reese wechselt im Sommer zu Hertha BSC. Endlich, so dachte er, der Schritt in die Bundesliga. Doch nur wenige Monate später war alles anders: Sowohl Fredi Bobic als auch Trainer Sandro Schwarz – die ihn für das Projekt „Big City Club“ begeistert hatten – mussten gehen, und Hertha stieg ab.
„Ich hatte zunächst ein weinendes Auge, dass mir die Chance verwehrt blieb. Ich war überzeugt, dass Hertha die Klasse hält“, sagte Reese später im kicker-Interview. „Aber das Leben stellt einen eben manchmal vor Aufgaben, mit denen man nicht rechnet.“
Doch der Frust währte nicht lange. Heute wirkt es, als hätte es gar keinen besseren Ort für Reese geben können. Hertha und er – das passt. Nicht nur wegen seiner auffälligen Erscheinung mit lackierten Fingernägeln, Schweißbändern oder verschiedener Frisuren. Sondern vor allem, weil er sportlich vorangeht. In bislang 48 Spielen für die Berliner hat er starke 20 Tore und 18 Vorlagen geliefert – und sich so nicht nur in die Herzen der Fans, sondern auch regelmäßig in die Schlagzeilen der Transfer-Gerüchteküche gespielt.
„Kiel bleibt meine Heimat, aber mein Zuhause ist Berlin“, sagte Reese in einem rbb-Interview – ein Satz, der zeigt, wie sehr er in der Hauptstadt angekommen ist. Seinen Traum von der Bundesliga hat er dabei nie aus den Augen verloren. Und am liebsten würde er ihn wohl genau dort verwirklichen, wo er gerade glücklich ist: mit Hertha BSC.