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03.05.2025 / Profis

HSV-Analyse: Standards als Knackpunkt

0:4. Dieses deutliche Ergebnis prangte nach Abpfiff auf der Anzeigetafel im Merck-Stadion. Nach zuvor vier Heimsiegen in Serie musste sich der SV 98 am Samstagmittag (3.5.) dem Hamburger SV schlussendlich klar geschlagen geben. Entscheidend für die Niederlage in einem weitestgehend ausgeglichenen Spiel waren dabei insbesondere zwei Standardsituationen, die der HSV für seine ersten beiden Treffer nutzte. Wir blicken in unserer Analyse zurück auf eine Partie, die insbesondere in der Anfangsphase auch eine andere Richtung hätte einschlagen können.

Szene des Spieltags:

Der Gegentreffer zum 0:1: „Das Gegentor hat die Statik des Spiels in den Köpfen verändert“, erklärte Florian Kohfeldt mit Blick auf den Rückstand in der 23. Minute. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Lilien das Spielgeschehen nicht nur dominiert, sie erspielten sich zudem auch gute Torchancen auf einen eigenen Führungstreffer. Killian Corredor, Fabian Nürnberger und Isac Lidberg hätten die Südhessen in Front bringen können, ließen die Möglichkeiten aber ungenutzt. 

Das 1:0 der Hanseaten nach einem Eckball sorgte im Nachgang für viel Selbstkritik bei den Lilien, die im bisherigen Saisonverlauf im Defensivverhalten bei Standards bis dato einen wirklich guten Job gemacht hatten. „Das haben wir schlecht verteidigt“, erklärte Fabian Nürnberger, der sich selbst in die Pflicht und das Gegentor durch seinen Gegenspieler Ludovit Reis auf seine Kappe nahm. 

Mit der Führung im Rücken tankte der HSV nicht nur Selbstvertrauen, Kohfeldt erkannte bei den Hanseaten in der Folge zudem eine „sehr clevere Spielweise“. Die Hamburger standen relativ tief und warteten auf Umschaltaktionen. Ein Matchplan, den die Mannschaft von Merlin Polzin von Anfang an verfolgte und dem das 1:0 logischerweise in die Karten spielte. Müßig zu spekulieren, wie sich das Spiel entwickelt hätten, wären die Lilien selbst in Front gegangen. So wurde der Führungstreffer des HSV zur Schlüsselszene für den weiteren Spielverlauf. 

 

Das lief gut:

Einsatz und Wille. Natürlich sollten diese Dinge Grundvorraussetzungen in jedem Fußballspiel sein. Und trotzdem war es nicht selbstvertständlich, mit wie viel Elan und Mut die Lilien von Beginn an agierten. Während der HSV jeden Punkt für seinen großen Traum vom Aufstieg benötigt, besitzt der SV 98 Planungssicherheit für eine weitere Saison in der 2. Liga. Ein Abfall war bei der Mannschaft von Florian Kohfeldt aber keineswegs zu erkennen. „Wenn Spannung gefehlt hätte, dann wären wir niemals so gut in die Partie gekommen“, resümmierte Fabian Nürnberger berechtigterweise und lag damit auf einer Wellenlänge mit Paul Fernie, der erklärte: „Über das Ergebnis sind wir natürlich enttäuscht. Aber ich habe eine Mannschaft mit viel Energie gesehen, die auch in jeden Zweikampf gegangen ist. Es hat nicht an fehlender Gier gelegen.“

Auch nach dem 0:2 stemmte sich der SV 98 gegen die drohende Niederlage. Eine Einstellung, die Kohfeldt auf der Pressekonferenz lobend hervorhob: „Wir haben bis zum letzten Moment probiert, ergebnistechnisch wieder in das Spiel zurückzukommen. Das spricht für die Mannschaft.“ 

Der erarbeitete Respekt. Die Spielweise des HSV im Merck-Stadion konnte durchaus als Kompliment für die Lilien gelesen werden. „Wir wussten, dass es extrem anspruchsvoll ist, den Fußball den Darmstatd spielt, zu verteidigen. Das haben wir auch heute wieder gemerkt. Das überladene Zentrum und die Bewegung aus dem Zentrum heraus, das ist total schwierig, dort Druck drauf zu bekommen.“ Mit diesen Worte erklärte HSV-Chefcoach Merlin Polzin die eher defensive Herangehensweise seiner Mannschaft, die sich auch in den Spieldaten widerspiegelte. 63 Prozent Ballbesitz verzeichnete der SV 98 am Samstagmittag gegen einen Gegner, der in der bisherigen Saison den zweithöchsten Ballbesitz-Wert der Liga aufweist. Sowohl Kohfeldt als auch Fernie sahen daher die Spielkontrolle überwiegend in der Hand der Südhessen, allerdings fehlte es mit Ausnahme der Anfangsphase an wirklich zwingenden Torchancen. Und dennoch: Die Lilien haben sich mit ihrem Fußball einen gewissen Respekt in der Liga erarbeitet und sind selbstbewusst genug, gegen jeden Gegner dominanten Fußball zu spielen. Allein fehlt es gegen tiefstehenden Gegner noch zu häufig an der Effizienz vor dem gegnerischen Tor. 

Zitat des Tages

Zwei Gegentore nach Standards sind total ungewöhnlich für uns. Die beiden Dinger haben das Spiel entschieden.

Florian Kohfeldt

Das lief nicht gut:

Die beiden Standardgegentore. „Die beiden Dinger haben das Spiel entschieden.“ Mit diesen Sätzen von Florian Kohfeldt könnten wir diese Passage beinahe schon beenden. In einem Spiel auf Augenhöhe sorgten zwei Eckbälle dafür, dass der HSV auf die Siegerstraße einbog. Sowohl Reis (23.) als auch Königsdörffer (58.) trafen aus kurzer Distanz in die Maschen. „Beim ersten Standard verlassen wir die Position und beim zweiten kommen wir nicht zum Doppeln“, fasste Kohfeldt mit Blick auf die beiden Szenen zusammen und ergänzte: „Das hat dann nichts mit ‚Der Gegner hat uns hergespielt zu tun‘. 

Zudem ordentete der Lilien-Cheftrainer den Doppelschlag nach einem ruhenden Ball auch in den Gesamtkontext der bisherigen Spielzeit ein: „Das ist total ungewöhnlich für uns. Das werden wir uns im Detail angucken, nicht einfach wegschieben und kritisch ansprechen. Das sind spielentscheidene Situationen. Das ist schade, weil wir bis dahin bei defensiven Standards sehr gut waren in dieser Saison.“

Die Restverteidigung in der Schlussphase. Dieser Punkt kann auf verschiedene Art und Weise betrachtet werden. Es ehrt die Lilien, dass sie bis zum Abpfiff alles versuchten, um noch einmal in die Partie zurückzukehren. Entsprechend hoch stand der SV 98 mit der gesamten Mannschaft und verlagerte das Spielgeschehen nahezu komplett in die gegnerische Hälfte. Dass damit die Konteranfälligkeit steigt, ist nicht zu vermeiden. Und trotzdem hätten die Umschaltaktionen der Hamburger besser verteidigt werden können. „Bei beiden Toren verlieren wir die Mannorientierung in der Box. Das sind Basics“, erklärte Kohfeldt, der aber auch anmerkte: „Der HSV hat das gut gespielt.“ 

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