Widget
01.09.2025 / Profis

Analyse: „In 10 Minuten geben wir das Spiel weg“

Auf 84. überzeugende Minuten des SV 98 folgte eine Schlussphase auf dem Betzenberg, in der die Lilien ihre Struktur verloren und dem FCK so einen späten Turnaround ermöglichten. Wir blicken in unserer Analyse auf den guten Part, beschäftigen uns aber genauso auch mit dem schmerzhaften Teil, der schlussendlich zur ersten Niederlage in dieser Saison führte.

1. FC Kaiserslautern vs. SV Darmstadt98: Fabian Nürnberger enttäuscht im Vordergrund, jubelnde Lauterer im Hintergrund.
Foto: Eibner

Szene des Spiels:

Das 1:1. Zweifelsohne der Ausgleichstreffer von Naatan Skyttä in der 84. Minute. Das Tor des Finnen stellte den Spielverlauf der zweiten Halbzeit auf den Kopf und leitete gleichzeitig eine Schlussphase ein, in der dem SV 98 eine Partie aus den Händen glitt, die das Team von Florian Kohfeldt bis dato kontrolliert hatte. „Wir hatten alles im Griff“, erklärte Marcel Schuhen dementsprechend und ergänzte: „Das Stadion war leise. Aber nach dem 1:1 kocht das Ding dann natürlich wieder. Dann war es ein Paradebeispiel dafür, was auf dem Betze passieren kann.“

Zudem sprach der Kapitän der Südhessen davon, dass im Vorfeld des Ausgleichstreffers auf dem Feld Entscheidungen getroffen wurden, die den Treffer Skyttäs überhaupt erst ermöglichen. „Da haben wir uns falsch verhalten. Zuvor haben wir es über die komplette Dauer wirklich sehr gut verteidigt.“ 

Florian Kohfeldt sah eine „Umschaltakton, die wir so nie hergeben dürfen.“ Ärgerlich, dass die Lilien bei eigener Führung auswärts in diese Kontersituation des FCK gerieten. Doppelt bitter, dass dieser erste richtige Angriff der Gastgeber nach dem Seitenwechsel prompt im Tor landete. Was folgte, war eine Schlussphase, die das Fritz-Walter-Stadion schon häufiger erlebt hat. Hektik, eine aufgeheizte Atmosphäre und ein später Siegtreffer des FCK. Mehr dazu dann in der Rubrik „Das lief nicht gut“. Doch eingeläutet wurde diese Phase vom 1:1. Der Szene des Spiels. Leider. 

Das lief gut:

Die Leistung bis zur 84. Minute. Mit satten 23 Punkten im eigenen Stadion hatte der FCK schon vor dem Anpfiff den Status als heimstärkstes Zweitliga-Team im Jahr 2025 inne. Der Betzenberg ist eine Festung, an der sich die Gäste regelmäßig die Zähne ausbeißen. Umso bemerkenswerter war der Auftritt, den die Lilien über einen Großteil der Spielzeit zeigten. „Wir hatten das Zepter in der Hand“, analysierte Luca Marseiler, sein Cheftrainer wurde in seiner Beschreibung ein wenig detaillierter: „80 Minuten lang waren wir klar besser, waren erwachsen, hatten die bessere Struktur und mehr Torchancen. Das Spiel lief lange genauso, wie wir es wollten. Wir wollten kein Hin und Her, keine Hektik. Wir wollten die Struktur halten. Das ist gut gelungen.“

Schon im Vorfeld der Partie hatte Kohfeldt betont, dass Kaiserslautern in Heimspielen eine offensive und aggressive Herangehensweise an den Tag lege, auf die sich der SV 98 einstellen müsse. Das gelang. Zwar benötigten die Südhessen knappe zehn Minuten, um die Kontrolle über das Geschehen zu erlangen, doch spätestens nach dem Lattentreffer von Merveille Papela nahmen die Darmstädter das Heft des Handelns in die Hand. Und gaben es lange nicht mehr her. Bis zur 84. Minute, um genau zu sein. „Bis dahin waren wir richtig stark“, so Kohfeldt, um mit seinem folgenden Satz unsere nächste Rubrik einzuleiten: „Dann kam die Phase, in der wir das gemacht haben, was wir vermeiden wollten.“

Das lief nicht gut:

Die Leistung ab der 84. Minute. „Wir haben inhaltlich das Spiel am Ende nicht richtig gelesen.“ Mit diesen Worten beschrieb Kohfeldt die Schlussphase im Fritz-Walter-Stadion. „In 10 Minuten geben wir das Spiel weg. Wir sind nicht in der Struktur geblieben und haben das Spiel hektisch werden lassen.“

Der FCK nutzte diese Phase der Unordung, um die Partie auf seine Seite zu ziehen. Auf den Umschaltmoment zum 1:1 folgte das 1:2 aus Sicht des SV 98, eine Situation, in der die Lilien die „Mannorientierung“ vermissen ließen und so Faride Alidou den Treffer ermöglichten. 

Die Schlusssequenz sorgte für eine „absolut unnötige Niederlage“, wie Schuhen richtigerweise feststellte. Kohfeldt sprach davon, dass sein Team noch immer Phasen in seinem Spiel habe, in dem es nicht „erwachsen“ agiere. Im Vergleich zum Vorjahr seien diese zwar drastisch reduziert worden, allerdings reichen auf Zweitliga-Niveau eben manchmal auch zehn Minuten, um eine Partie auf den Kopf zu stellen. Den schmerzhaften Beweis dafür lieferte der Sonntag. „Dieses Spiel tut weh“, gab Kohfeldt unumwunden zu, ordnete das Geschehen aber auch in den Gesamteindruck der vergangenen Wochen ein: „Wir haben sieben Punkte und sind im Pokal weiter. Da hätten wir vor der Saison niemals von einem schwierigen Start gesprochen. Sondern eher vom Gegenteil.“

Nun gilt es, die Learnings von Lautern in der Länderspielpause zu verinnerlichen, um dann im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig die nächsten Punkte zu sammeln. 

Fotogalerie: Eibner
1. FC Kaiserslautern vs. SV Darmstadt98: Fabian Nürnberger enttäuscht im Vordergrund, jubelnde Lauterer im Hintergrund. Foto: Eibner

Zitat des Tages

Bis zur 84. Minute waren wir richtig stark. Dann kam die Phase, in der wir das gemacht haben, was wir vermeiden wollten.

Florian Kohfeldt nach dem 1:3 beim FCK

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Ein gewonnener Punkt
14.03.2026

Ein gewonnener Punkt

Die Lilien sind in Magdeburg 60 Minuten lang die schwächere Mannschaft, zeigen aber eine beeindruckende Reaktion auf den zwischenzeitlichen Rückstand und nehmen schlussendlich einen Punkt mit nach Südhessen. In unserer Analyse blicken wir auf turbulente Minuten nach dem 0:1 und erläutern die Gründe dafür, dass dem SV 98 über lange Zeit der Zugriff auf die Gastgeber fehlte.

„Nehmen Punkt mit, auch wenn wir gerne gewonnen hätten“
13.03.2026

„Nehmen Punkt mit, auch wenn wir gerne gewonnen hätten“

Es wurde das erwartet knifflige Auswärtsspiel: Gegen leidenschaftlich auftretende Hausherren, die den Lilien alles abverlangten, nimmt der SV 98 am 26. Spieltag einen Punkt mit. Nach dem Seitenwechsel stand insbesondere Fabian Nürnberger im Mittelpunkt, der erst ein Eigentor und dann den Ausgleich erzielte. Wie er selbst den Abend erlebte und wie die anderen Protagonisten das 1:1 bewerteten, lest Ihr in den Stimmen zum Spiel.

Punkteteilung in Magdeburg
13.03.2026

Punkteteilung in Magdeburg

Der SV 98 kann am 26. Spieltag sein Konto aufstocken: Einen Zähler entführen die Lilien beim 1:1 (0:0) gegen den 1. FC Magdeburg. Für die Gäste traf Joker Nürnberger (67.). Damit stehen die Südhessen nun bei 49 Saisonpunkten.

Pfeiffer und Holland rücken ins Team
13.03.2026

Pfeiffer und Holland rücken ins Team

Freitagabend in Magdeburg. Die Lilien gastieren am 26. Spieltag beim FCM. Florian Kohfeldt verändert seine Startelf im Vergleich zum Heimsieg gegen Kiel auf zwei Positionen. Patric Pfeiffer kehrt nach seiner Sperre zurück in die Mannschaft, Aleksandar Vukotić nimmt dafür auf der Bank Platz. Zudem rückt Fabian Holland für Merveille Papela in die Formation. Fabian Nürnberger steht erstmals seit dem Braunschweig-Spiel (14.02.) wieder im Aufgebot, Raoul Petretta fehlt mit Knieproblemen im Kader.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Magdeburg-Spiel
12.03.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Magdeburg-Spiel

Freitagabend. Flutlicht. Die Lilien gastieren anlässlich des 26. Zweitliga-Spieltags auswärts beim 1. FC Magdeburg. Anstoß am Freitag (13.3.) ist um 18.30 Uhr. Was sagen beide Cheftrainer vor dem Spiel? Wer wird das Duell leiten? Und wer sitzt bei Sky am Mikrofon. Alle wichtigen Infos zur Partie in Magdeburg haben wir Euch wie gewohnt in „Matchday kompakt“ zusammengetragen.

„Haben Lust, ein Auswärtsspiel zu gewinnen“
12.03.2026

„Haben Lust, ein Auswärtsspiel zu gewinnen“

Vor dem Spiel am Freitagabend (13.3./18.30 Uhr) ordnet Florian Kohfeldt die Spielweise des 1. FC Magdeburg ein, gibt ein Personalupdate und blickt auf die eigene Vorbereitung auf die Partie. Die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz unseres Cheftrainers haben wir hier zusammengefasst.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Magdeburg-Spiel
11.03.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Magdeburg-Spiel

Der SV 98 tritt am Freitag die Reise in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts an und will auswärts endlich mal wieder drei Punkte entführen. Der 1. FC Magdeburg dagegen ist als Tabellenletzter im Kampf um den Klassenerhalt unter Zugzwang. Was unterscheidet die Teams? Wo gibt es aber auch statistische Gemeinsamkeiten? Alle Fakten und Zahlen zum Duell zwischen den Lilien und dem 1. FC Magdeburg haben wir in diesem Artikel für euch zusammengepackt. Hier findet ihr die Top Facts zur Partie am Freitagabend.

1. FC Magdeburg im Gegnercheck
10.03.2026

1. FC Magdeburg im Gegnercheck

Um 18.30 an einem eher unscheinbaren Freitagabend schien das Flutlicht auf den Fürther Fußballrasen. Es war der 21. Zweitliga-Spieltag, als der 1. FC Magdeburg bei der Spielvereinigung gastierte. Die Begegnung wurde im Vorfeld als „Kellerduell“ betitelt, doch dass genau diese Partie als „historisch“ in die Geschichtsbücher der 2. Bundesliga eingehen würde, damit rechnete wohl keiner…

Analyse: Der richtige Kniff
08.03.2026

Analyse: Der richtige Kniff

Die Lilien bleiben durch das 2:0 gegen Holstein Kiel auch im 13 Heimspiel dieser Saison ungeschlagen. Im Duell mit den „Störchen“ spielte dem SV 98 dabei ein früher Platzverweis in die Karten. Mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Südhessen die komplette Spielkontrolle, fuhren einen ungefährdeten Erfolg ein und konnten sich über Isac Lidbergs 13. Saisontreffer und die Torpremiere von Niklas Schmidt freuen. Der Heimsieg in der Analyse.

„Wir sind nicht einzelne Spieler, sondern Darmstadt 98“
07.03.2026

„Wir sind nicht einzelne Spieler, sondern Darmstadt 98“

Temporeicher Start, zerfahrener erster Durchgang nach dem Platzverweis gegen Marcus Müller. Mit Beginn der zweiten Hälfte zeigten die Lilien aber ein anderes Gesicht. Nach dem frühen Doppelschlag im zweiten Durchgang durch Tore von Isac Lidberg und Niklas Schmidt fuhren die Südhessen einen insgesamt ungefährdeten Heimsieg ein.

Heimsieg! Lilien brillieren nach Seitenwechsel
07.03.2026

Heimsieg! Lilien brillieren nach Seitenwechsel

Spiele im Merck-Stadion am Böllenfalltor beflügeln die Lilien weiter zu Höchstleistungen! Mit 2:0 (0:0) siegen die Hausherren verdient gegen Holstein Kiel und schnappen sich den siebten Heimdreier in Serie. Nach einer schwierigen ersten Hälfte trumpften die Südhessen nach dem Seitenwechsel auf: Lidberg (48.) und Schmidt (52.) brachten ihre Farben schon früh im zweiten Durchgang auf die Siegerstraße. Der SV 98 weist somit nach 25 Spieltagen nun 48 Saisonzähler auf.

Startelf mit drei Neuen
07.03.2026

Startelf mit drei Neuen

Der 25. Spieltag der 2. Bundesliga steht an. Die Lilien empfangen Holstein Kiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Florian Kohfeldt verändert seine Startelf im Vergleich zur Niederlage in Dresden auf drei Positionen. Aleksandar Vukotić rückt für den gesperrten Patric Pfeiffer in die Innenverteidigung, Merveille Papela ersetzt Raoul Petretta und Marco Richter startet anstelle von Killian Corredor, der aufgrund eines Schlags aus dem Dresden-Spiel im Kader fehlt. Zudem fehlen Fabian Nürnberger, Matthias Bader, Bartosz Bialek und Fraser Hornby weiterhin verletzungsbedingt.