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18.02.2024 / Profis

Leistung vs. Zählbares

Was macht noch Hoffnung, dass Ihr da unten rauskommt? Eine Frage, die sich Marcel Schuhen in der Mixed-Zone des Merck-Stadions am Böllenfalltor hatte stellen lassen müssen an diesem frühen Samstagabend. Der SV Darmstadt 98 verlor mit 1:2 gegen den VfB Stuttgart, dagegen fuhr Mainz 05 zeitgleich einen Dreier ein und Union Berlin manövrierte sich ebenfalls mit einem Sieg vermeintlich aus der ganz gefährlichen Zone der unteren Tabellenregion. Was bedeutet das für Euch im Abstiegskampf? Eine weitere berechtigte Frage, die Sebastian Polter in eben jenem gleichen Szenario wie sein Torhüter gestellt bekam. Und Ihre Antworten, sie ähnelten sich.

Foto: SV 98

“Dass wir weiterhin gut arbeiten, das macht Hoffnung”, betonte Schuhen und schob seine Erklärung dafür direkt hinterher: “Wenn wir nicht gut arbeiten würden, würden wir gegen so einen Gegner komplett auseinander fallen. Dann würden sie uns auseinander schießen.” Das passierte aber ganz und gar nicht. Gleich neunmal hatte der VfB Stuttgart in dieser Saison schon mit drei oder mehr geschossenen Toren gewonnen, auch die Lilien hatten beim 1:3 im Hinspiel bereits die Qualität der Schwaben zu spüren bekommen. Eine Klasse, die der VfB seit dem ersten Spieltag auf den Platz bekommt. Mit 46 eingeheimsten Punkten haben die Stuttgarter längst den Kurs auf den Einzug in die Champions League eingeschlagen. Eine Mannschaft also, die allen voran mit Bayer Leverkusen und natürlich auch dem FC Bayern München in dieser Bundesliga-Saison seines Gleichen sucht.

“Sollen wir die Tasche packen und nicht mehr antreten?”, entgegnete Polter auf die ihm eingangs skizzierte Frage. Nein, ganz und gar nicht. Schließlich zeigten die Lilien gegen ein weiteres Schwergewicht der aktuellen Spielzeit einen mehr als ordentlichen Auftritt. Eine mutige Darmstädter Darbietung bekamen die blau-weißen Fans im ausverkauften Merck-Stadion am Böllenfalltor zu sehen. Viele hohe Ballgewinne, dadurch gewisses Risiko in der Defensive und zahlreiche Torchancen. Leidenschaftlich. Emotional. Kämpferisch. Genau die Eigenschaften, die sich die Lilien-Fans von den Protagonisten auf dem Rasen wünschen. “Wir können durchaus stolz auf unsere Leistung sein”, analysierte die Nummer 40 des SV 98 folgerichtig. Auch Schuhen schlug in die gleiche Kerbe und sagte: “Unsere Leistung war heute absolut ok gegen so ein Team wie es der VfB Stuttgart hat.”

Wir müssen uns im Abschluss an die eigene Nase fassen

Sebastian Polter über die 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart

Warum reichte es dennoch nicht zu etwas Zählbarem? Noch so eine berechtigte Frage, die sich die Lilien stellen lassen mussten. Das lag vor allem an einem Makel. Genau dem Makel, “dass wir die Tore einfach nicht gemacht haben”, wie Polter feststellte. 21:13 Torschüsse zählte die Statistik für die Darmstädter. Wenn man gegen das Top-Team aus Stuttgart so viele gute Möglichkeiten bekommt, muss man den Ball eben einfach mal über die Linie drücken. Etwas, was die Lilien aber – bis zum Anschlusstreffer in der Nachspielzeit – nicht taten. Stattdessen ließen sie in der ersten Halbzeit in Gleichzahl sowie nach dem Seitenwechsel in Überzahl zahlreiche gute Chancen aus. “Wir müssen uns im Abschluss an die eigene Nase fassen”, monierte daher der Angreifer des SV 98.

So arbeiteten die Lilien abermals mehr als ordentlich, zeigten in dieser Rückrunde erneut einen sehr reifen, aber auch emotionalen Fußball und investierten viel in diese Partie gegen den VfB. Und doch standen die Südhessen nach Abpfiff und der damit verbundenen 1:2-Niederlage ohne Zählbares da – wie so oft schon in dieser Saison. In diesem deutschen Fußball-Oberhaus reicht es eben nicht, dem Gegner nur über weite Strecken mehr als ordentlich Paroli zu bieten. Klar können die Lilien nach so einer Leistung in den Spiegel schauen – in dem Wissen, alles reingeworfen und alles versucht zu haben. Und genau diesen Weg müssen sie auch weitergehen. Doch ist es in der Bundesliga essenziell, auf genau diesem Weg die nötigen Punkte einzufahren. Weil die Lilien das trotz guter Leistung gegen Stuttgart nicht taten, stehen sie mit weiterhin zwölf gesammelten Zählern auf dem 18. Tabellenplatz. Vier Punkte trennen den SV 98 vom Relegationsplatz und gar zehn Zähler (Stand Sonntagvormittag) von einem Rang, der gleichbedeutend mit dem sicheren Klassenverbleib wäre.

Optimistisch bleiben, hart arbeiten

“Zeigen wir weiter das, was wir heute gezeigt haben, bin ich weiterhin sehr optimistisch, dass wir über die Relegation in dieser Klasse bleiben können”, verdeutlichte Torsten Lieberknecht folgerichtig auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Schließlich haben die Lilien mit ihrer Leistung gegen den VfB abermals untermauert, dass sie in dieser Liga mithalten können. Mut für die weiteren Aufhaben machen da vor allem die gegen Stuttgart zahlreich erarbeiteten Torchancen. Mut machen die vielen spielerischen Elemente. Mut machen auch die beiden Treffer aus dem Spiel heraus – wobei nur einer zählte, der andere nach umstrittener Rücknahme des VAR aber nicht.

Es fehlen aktuell nur Nuancen und Momente, um das gewisse Matchglück auf Darmstädter Seite zu ziehen. Damit dies gelingt, gilt es, weiter zu arbeiten, weiter zu machen und weiter zu tun – wie Schuhen es in der Mixed-Zone zusammenfasste. Schließlich wartet mit dem Auswärtsspiel bei Werder Bremen (24.2./15.30 Uhr) die nächste schwierige Aufgabe gegen formstarke und auf Tabellenplatz sieben rangierende Grün-Weiße, danach kommt der FC Augsburg (2.3./15.30 Uhr) ans Böllenfalltor. Genau die zwei Mannschaften haben die Lilien also nun vor der Brust, gegen die sie ihre bislang beiden Saisonsiege feiern konnten…

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