Spätestens nach dem schweren Pokalfight unter der Woche war klar: Kein Schnörkel und auch keine Schönspielerei. Ebenfalls keine Traumtore und ebenfalls kein deutliches Endergebnis. „Das Spiel hat sich richtig dreckig angefühlt“, betonte Mathias Honsak nach dem 2:1-Heimsieg des SV Darmstadt 98 gegen Eintracht Braunschweig. Viele lange Bälle. Viele Zweikämpfe – 242 an der Zahl. Bei insgesamt neun Zweitliga-Partien an diesem Wochenende zählte die Statistik nur in den Duellen zwischen Nürnberg und Regensburg (276) sowie Bielefeld und Rostock (269) mehr Zweikämpfe. Ein Fakt, der deutlich macht, welche Tugenden am Sonntagmittag im Merck-Stadion am Böllenfalltor gefragt waren.
„Wir haben immer an den Sieg geglaubt“
„Es ging heute viel um Mentalität und Emotionalität“ erklärte Tietz. Aber auch Leidenschaft und ein unbändiger Wille sollten entscheidende Faktoren werden, um trotz eines zwischenzeitlichen 0:1-Rückstandes den insgesamt siebten Saisonheimsieg einzufahren. „Meine Mannschaft hat eine unglaubliche Willenskraft gezeigt“, lobte Torsten Lieberknecht seine Schützlinge. Die späten Treffer in der 82. Minute sowie in der Nachspielzeit untermauerten die mentale Stärke der Darmstädter. „Wir haben immer an den Sieg geglaubt“, betonte auch Honsak, ehe er hinzufügte: „Wir wollten unbedingt die drei Punkte – egal, wie.“ Eine Einstellung, die die Lilien von An- bis Abpfiff stets verkörperten und sich auch durch Rückschläge oder nicht-gegebene Tore keinesfalls aus der Ruhe bringen ließen.
Pokalfrust in positive Energie umgewandelt
Dabei mussten die Darmstädter auch vor diesem Spieltag wieder mit Herausforderungen umgehen. Eigentlich hätte Braydon Manu von Beginn an auflaufen sollen, doch musste er verletzungsbedingt passen und Magnus Warming kurzfristig in dessen vorgesehene Rolle schlüpfen. Und dann war auch nicht klar, wie die Mannschaft die vergangene Englische Woche verkraften und das Ausscheiden im DFB-Pokal sowie das Lob, welches trotz der Niederlage bei Eintracht Frankfurt von außen auf sie einprasselte, wegstecken würde. Doch die Lilien wandelten den Frust über den verpassten Achtelfinaleinzug in positive Energie um. Tietz: „Eine gute Mannschaft zeigt genau dann Gesicht, wenn sie verloren hat und danach wieder siegt. Das haben wir gemacht und unser Herz auf dem Platz gelassen. Wir haben einmal mehr bewiesen, was für eine Mannschaft wir sind.“
Nur ein Ziel: Der nächste Spieltag!
Eine Mannschaft, die gegen Braunschweig bereits den 13. Saisonsieg feierte und die nun 45 Punkte auf dem Konto hat. Doch für Träumereien und Einordnungen der Tabellenkonstellation blieb auch nach der insgesamt 19. ungeschlagenen Zweitliga-Begegnung in Folge kein Platz. Denn die Lilien, sie haben nur ein Ziel vor Augen – und zwar den nächsten Spieltag. Genau dieser führt den SV Darmstadt 98 am kommenden Samstag (18.2./20.30 Uhr) zum FC Hansa Rostock. Ein Gegner, der am Wochenende den ersten Rückrundensieg feierte und nun enorm heiß auf den ersten Heimsieg im neuen Jahr sein dürfte. Daher warten wohl auch im Ostseestadion 90 knackige Minute voller harter Arbeit auf die Darmstädter. Doch mit ihrer Mentalität und ihrer Willenskraft will die Mannschaft vom Böllenfalltor auch dort punkten. Und bestenfalls natürlich mit den mitgereisten Lilien-Fans vor der Kurve feiern.