Foto: Stefan Holtzem 21.04.2025 / Profis
Spektakel und passende Antworten – Analyse des 96-Heimspiels
Ein furioser Beginn und eine postwendende Antwort. So könnte man die Wegbereiter für den insgesamt vierten Heimsieg in Serie der Lilien zusammenfassen, die aus den zurückliegenden drei Pflichtspielen sieben Punkte einheimsten. Und vor allem einen riesengroßen Schritt in Richtung des dann zwölften Jahres im bezahlten Profifußball tätigten. Durch den Heimsieg gegen Hannover 96 weisen die Südhessen vier Spieltage vor Rundenende nun einen Vorsprung von zehn Zählern auf den Relegationsrang auf. In der Nachlese skizzieren wir noch einmal nach, wie es zu den drei Punkten gegen die Niedersachsen kam.
Szene des Spieltags:
„Nicht schon wieder“, mag sich der ein oder andere im Merck-Stadion am Böllenfalltor gedacht haben, als die Lilien nach 82 Zeigerumdrehungen den Ausgleich hinnehmen mussten. Würde der SV 98 wie schon des Öfteren in dieser Spielzeit aus einer Partie gehen, in der man das Gefühl hatte, dass hier mehr drin gewesen wäre? Nein, weil die Antwort auf den Nackenschlag postwendend folgte. Eine gut getimte Flanke des emsigen Jokers Luca Marseiler segelte auf die Stirn von Killian Corredor, der seine überzeugende Vorstellung mit dem 2:1 krönte. Der erneute Führungstreffer in der 83. Minute ließ Hannoveraner Hoffnungen im Keim ersticken und beflügelte die Hausherren sichtbar. Und neben der Beruhigung, die alte Differenz wieder hergestellt zu haben, belegte die schnelle Antwort auch andere wichtige Entwicklungen in diesem Lilien-Team. Mehr dazu in der Kategorie, was denn an diesem Ostersonntag alles gut gelaufen ist.
Das lief gut:
Der Start. Die Hausherren brannten vom Anpfiff weg 15, 20 Minuten auf den Rasen, die viele nicht auf den Sitzen hielt. Entfesselt spielten die Südhessen auf, euphorisiert suchten sie den Weg auf das gegnerische Tor, aufgedreht schmissen sie sich in das Pressing über den ganzen Platz. Nur logisch, dass so eine Energieleistung nicht über eine gesamte Halbzeit hochzuhalten ist. Doch der Start mitsamt des frühen Führungstreffers sendete eine wichtige Botschaft an Fans, Gegner und vor allem sich selbst: Nämlich die, dass die Lilien unbedingt ihre beeindrucke Siegesserie im Merck-Stadion am Böllenfalltor fortsetzen wollten. Als „Traumstart“ beschrieb Florian Kohfeldt den Beginn der Partie völlig zurecht. „In den ersten 15, 20 Minuten waren wir sehr dominant, da hätten wir auch höher führen können“, ergänzte der Cheftrainer. Denn das war das einzige Haar in dieser mit allerlei fußballerischen Zutaten gespickten Suppe, welches sich finden lassen konnte. Dass man nach diesem Beginn „nur“ mit 1:0 führte.
Die Antwort auf den Gegentreffer. In der „Szene des Spieltags“ schon angeteasert, kommen wir nun nochmal auf diese verrückte Abfolge der Ereignisse gegen Ende der Partie. Denn sie belegte, dass Entwicklung kein abstraktes Konstrukt ist, sondern sich auch greifen lässt. Die Mannschaft hat sich unter Florian Kohfeldt über die Monate eine Resilienz und Wehrhaftigkeit angeeignet, die sie auch schwierige Phasen im Spiel überstehen lässt. Gewiss, dass so ein schneller Treffer auf einen Rückschlag gelingt, hängt immer auch mit dem berühmt-berüchtigten Spielglück zusammen. Doch, dass das Team sofort sein Heil wieder in der Offensive sucht, spricht für eine Haltung, die Einkehr in der Kabine gefunden hat. Schon vor einer Woche blieb der SV 98 im Olympiastadion nach dem Gegentreffer aus dem Nichts stabil, ließ abgesehen von einer Chance von Toni Leistner nichts mehr zu. Und hätte auch selbst durch Guille Bueno in Führung gehen können. Im Heimspiel gegen Hannover behielt man ebenfalls den Kopf oben. Das war in dieser Saison auch schon anders. Etwa in den beiden Partien gegen Elversberg oder im Rückspiel gegen Magdeburg. „Ich bin froh, dass die Mannschaft Widerstandsfähigkeit gezeigt hat“, bilanzierte Kohfeldt am Ostersonntag im Rahmen einer Journalistenrunde nach der Pressekonferenz: „Das ist eine der Entwicklungen, die wir diese Saison nehmen wollten. Da müssen wir dranbleiben, aber das geht grundsätzlich in eine positive Richtung.“
Das lief nicht gut:
Der schwindende Zugriff. Dass die Lilien die Pace vom Spielbeginn nicht hochhalten konnten, war abzusehen. Dennoch gefiel den Beteiligten in blau-weiß nicht, wie Hannover Stück für Stück aufkam. Aufkommender Mut der Niedersachsen paarte sich mit der einen oder anderen passiven Phase der Darmstädter, gepaart mit ein paar kleineren Unaufmerksamkeiten. Zwar kreierten die Lilien weiter sehr gute Chancen, um am Spielstand weiter zu schrauben, insgesamt aber wies 96 mehr Spielkontrolle auf. „Hannover ist eine hervorragend organisierte Mannschaft, die grundsätzlich sehr stark im Positionsspiel und schwer zu greifen ist“, zollte Kohfeldt den Kontrahenten an diesem Nachmittag Respekt: „Es war ein schweres Spiel für uns, welches in unserem vierten Heimsieg in Folge mündete.“ Sein Torwart ergänzte: „Ich finde es ganz wichtig, dass die Mannschaft sich daran messen lassen sollte zu gewinnen, auch wenn das Spiel den Leuten nicht immer gefällt.“ Marcel Schuhen: „Denn nur darum geht es zu diesem Zeitpunkt der Saison. Vier gewonnene Heimspiele in Folge hören sich da erstmal vernünftig an.“ Und der Schlussmann fügte ein insbesondere für Torhüter wichtiges Detail hinzu: „In diesem Zeitraum haben wir nur ein Gegentor bekommen, das war auch schon mal anders.“ Womit wir wieder beim Stichwort „Entwicklung“ wären.
Zitat des Tages
Das Band zwischen Mannschaft und Fans ist sehr eng. Wir sind heute in den ersten 15 Minuten in Vorleistung getreten, sodass die Zuschauer richtig Spaß hatten. Und umgekehrt waren sie dann da, als wir Probleme hatten. Es ist extrem wichtig, dass wir diese Verbindung haben. Das Bölle kann so sehr viel Energie freisetzen.