Foto: SV 98 30.10.2025 / Profis
Mutig, zielstrebig, voller Energie: Die Analyse zum Pokalabend
„Das war eine der besten Saisonleistungen von uns“, betonte Marcel Schuhen in den Katakomben des Merck-Stadions am Böllenfalltor nach Abpfiff. Zuvor hatte seine Mannschaft über 90 Minuten eine unfassbare Energieleistung abgebrannt und den FC Schalke 04 in der zweiten Runde des DFB-Pokals auch in der Höhe absolut verdient mit 4:0 bezwungen. Überschattet wurde dieser beeindruckende Achtelfinaleinzug von einem medizinischen Notfall auf der Tribüne, der die Protagonisten auf beiden Seiten auch nach Spielende noch beschäftigte. In unserer Analyse blicken wir auf das sportliche Geschehen, aber auch auf das besondere Gespür beider Fanlager auf den Rängen.
Szenen des Spiels:
So eine 2:0-Halbzeitführung kann im Fußball schon manchmal ein trügerisches Ergebnis sein. „Wir haben in der Halbzeit noch eine Chance gespürt“, erklärte daher auch Miron Muslic auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Wohlwissend, dass seine Mannschaft auch noch höher nach 45 Minuten hätte zurückliegen können. Aber diese Chance hätte es eben nur gegeben, „wenn wir stabil geblieben wären, kein drittes Tor kassiert und den Anschlusstreffer geschafft hätten“, fügte der Cheftrainer des FC Schalke 04 hinzu. Und genau dort setzen wir mit unseren zwei „Szenen des Spiels“ an.
Denn bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff erstickten die Lilien genau diese Schalker Hoffnungen im Keim. Weil Fraser Hornby nach 48 Zeigerumdrehungen einen blitzsauber ausgespielten Konter der Darmstädter mit einem überlegten Abschluss eiskalt vollendete und damit früh im zweiten Durchgang den Deckel draufmachte. Damit aber nicht genug. Selbst nach diesem komfortablen Drei-Tore-Vorsprung vermied es der SV 98, vom Gaspedal zu gehen. So sorgte Bartosz Bialek (60.) nur eine Minute nach seiner Einwechslung für den vierten und damit letzten Treffer des Abends. Sein erstes Tor im Lilien-Trikot, es wurde anschließend gebührend mit all seinen Teamkollegen gefeiert. „Ich freue mich, dass Bartosz ein Tor gemacht hat. Das sind so kleine Geschichten, die den Abend noch mehr versüßen“, brachte es Marcel Schuhen auf den Punkt.
Das lief gut:
Lilien-Fußball. „Wir haben genau so gespielt, wie ich mir meine Mannschaft vorstelle“, sagte ein stolzer Florian Kohfeldt nach dem 4:0-Erfolg gegen den FC Schalke 04. Mutig. Zielstrebig. Temporeich. Lilien-Fußball eben. Von Minute eins an brachte der SV Darmstadt 98 eine unglaubliche Energie auf den Platz. Die Südhessen, sie waren aggressiv im Pressing, konnten viele Balleroberungen vorweisen und waren dann auch immer wieder mutig auf der Suche nach Tempoaktionen.
Das sah am vergangenen Freitag bei der 0:1-Niederlage auf Schalke noch ganz anders aus. Da versäumten es die Lilien, die sich bietenden Räume hinter der königsblauen Kette konsequent sowie mutig zu bespielen. Wieder und wieder schaute sich das Analyse- sowie Trainerteam um Kohfeldt das Videomaterial der Begegnung in der Veltins-Arena an. Weiter vermittelten sie der Mannschaft vor dem erneuten Aufeinandertreffen, eben jene Räume konsequent zu bespielen und sich von Schalkes aggressivem wie hohem Anlaufen nicht beeindrucken zu lassen. „Wir wussten, dass Schalke aggressiv gegen den Ball ist. Aber wenn deren Kette hochsteht, dann müssen irgendwo Räume sein. Die haben wir am Freitag nicht gefunden, heute dafür umso besser“, analysierte Fabian Holland. Schuhen ergänzte: „Wir haben an allen Ecken und Enden Gefahr und Energie ausgestrahlt. Wir haben super intensiv gegen den Ball gespielt und super Lösungen mit Ball gefunden.“ Der 4:0-Heimsieg im DFB-Pokal, die logische Folge dieses Lilien-liken Auftretens.
Darmstädter Effizienz. „Nicht zwingend genug“. So lautete noch die Überschrift unserer Analyse nach der 0:1-Niederlage auf Schalke. Ähnlich kritisch gingen wir auch in unserer Analyse zum torlosen Remis gegen Magdeburg mit den Offensivbemühungen der Lilien um. In beiden Spielen, in denen der SV 98 ohne eigenen Torerfolg blieb, fehlte es am nötigen Zug in Richtung des gegnerischen Gehäuses. Zu wenig machten die Südhessen aus Ballgewinnen und Umschaltaktionen. Ganz anders dagegen das Spiel gegen Schalke im DFB-Pokal. „In den letzten beiden Spielen hatten wir keine gute Phase. Doch wir haben mit Leistung geantwortet und kompromisslos unseren Fußball gespielt“, lobte Kohfeldt. Ähnlich bewertete es auch Holland in seiner Analyse. „Wir haben uns genug Torchancen herausgespielt und waren sehr effektiv. Dann kommt so ein Spiel eben zustande“, so die Nummer 32 der Lilien.
Heimstärke. Irgendwie hatte es Marcel Schuhen schon am Abend der 0:1-Niederlage auf Schalke im Gefühl. Er wusste, dass ein Abendspiel unter Flutlicht am Bölle „geil“ werden würde. Und so war es auch. Im Zusammenspiel mit den Fans pushten sich die Lilien nach vorne. Schon bei der Busankunft und dem Warm-Up fing es an. „Die Mannschaft hat direkt gemerkt, dass heute sehr viel geht“, sagte Holland. Und genauso kam es. Das Merck-Stadion am Böllenfalltor zeigte auch gegen Schalke, dass es in dieser Saison bislang eine absolute Festung ist. Sechs Pflichtspiele hat der SV 98 in der laufenden Spielzeit hier bestritten, vier davon gingen gewonnen, nur zwei endeten mit einem Unentschieden – bei zwölf geschossenen Toren, nur zwei Gegentreffern und insgesamt vier Zu-Null-Spielen. Eine Heimserie, die am Samstagabend (1.11./20.30 Uhr) gegen Arminia Bielefeld – wieder unter Flutlicht – gerne weitergehen kann.
Das lief nicht gut:
Wir könnten jetzt natürlich damit anfangen, das Haar in der Suppe zu suchen. Vielleicht würden wir es bei 15 Torschüssen und „nur“ vier Toren auch irgendwo finden. Aber das wäre bei solch einer Energieleistung, solch einem souveränen Auftreten und so einem verdienten Weiterkommen doch irgendwie Fehl am Platz. Daher schließen wir diese Kategorie schnell wieder und belassen es bei den Worten des Lilien-Kapitäns: „Es war sportlich ein perfekter Pokalabend!“
Alles Gute an den Fan. Wir denken an ihn und hoffen, dass er gut aus der schwierigen Situation herauskommt.
Kurz nach Anpfiff kam es auf der Nordtribüne im Merck-Stadion am Böllenfalltor zu einem medizinischen Notfall. Das Darmstädter Publikum wie auch der Schalker Anhang reagierten prompt und stellten zunächst den Support ein. „Das Publikum ist unglaublich respektvoll mit dieser Situation umgegangen – Darmstädter und Schalker waren vereint. Auch wie der Support dann wieder angekündigt wurde, verdient hier eine Erwähnung“, betonte Kohfeldt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Genau dieses besondere Gespür beider Anhängerschaften hob auch Schuhen hervor: „Dieses Fingerspitzengefühl war extrem wichtig, sodass die Hilfskräfte ihren Job erledigen konnten. Großes Lob an die Fans und insbesondere an alle Hilfskräfte. Von unserer Seite nur die besten Genesungswünsche an den Fan.“
Aber nicht nur der Cheftrainer und der Kapitän des SV 98, sondern auch alle anderen Darmstädter wie Schalker Protagonisten, die am Mittwochabend vor den Mikrofonen standen, sendeten die besten Genesungswünsche an den Fan, der am Mittwochabend in einem kritischen Zustand ins Krankenhaus gebracht wurde.
Wir schließen uns an dieser Stelle an, wünschen alles Gute und drücken die Daumen!