Foto: SV 98 17.08.2025 / Profis
Pflicht erfüllt: Das Weiterkommen in der Analyse
DFB-Pokal? Das ist Do or Die. “Entweder du kommst weiter oder du bist raus”, fasste es Kai Klefisch nach dem Erstrundenmatch des SV Darmstadt 98 beim VfB Lübeck kurz und knackig zusammen. Denn im Pokal zählen nur zwei harte Fakten. Und das ist nunmal der Sieg und der damit verbundene Einzug in die nächste Runde. Genau dafür sorgten die Lilien im Stadion an der Lohmühle: Sie gewannen mit 2:1 – nicht brillant, aber souverän – und lösten damit das Ticket für die zweite DFB-Pokalrunde. Was lief aus Lilien-Sicht gut in Lübeck? Was war weniger gut? Das Pokalspiel des SV 98 gegen in der Analyse.
Szene des Spiels:
Das “Wurschteltor” von Matej Maglica in der 34. Minute. So die charmante Bezeichnung, die Luca Marseiler nach Abpfiff in der Mixed-Zone wählte, um den Treffer des Darmstädter Innenverteidigers zu beschreiben. Nach einem Eckball stocherten gleich mehrere Blau- als auch Grün-Weiße nach dem Spielgerät. Letztlich fiel es Maglica vor die Füße, der den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Kein schönes, aber ein wichtiges Tor. Denn so kurz vor der Pause sorgte der Treffer für Sicherheit.
Schön herausgespielt und vollendet sowie ebenfalls wichtig war dann auch der Treffer von Fraser Hornby nach 73. Zeigerumdrehungen, der für einen zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Vorsprung sorgte und damit die Tür für das Weiterkommen weit aufschlug. Nach einer butterweichen Flanke des eingewechselten Clemens Riedel stieg der Lilien-Stürmer in die Luft, um den Ball platziert im Tor des Gegners unterzubringen. “Wir haben beide Tore zum richtigen Zeitpunkt erzielt”, lobte Marseiler. Kurz vor der Pause, dann kurz vor dem Auftakt in die Schlussviertelstunde: In den richtigen Momenten hellwach und konsequent. Das waren die Lilien im Stadion an der Lohmühle.
Das lief gut:
Pflichtaufgabe erfüllt. “Ich habe nur ein Ziel am Samstag: Die zweite DFB-Pokalrunde erreichen!”, betonte Florian Kohfeldt schon auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am vergangenen Donnerstag (14.8.). Kurz und knapp nach dem 2:1-Sieg der Lilien beim VfB Lübeck zusammengefasst: Ziel erreicht! Denn im DFB-Pokal geht es, wie bereits in der Einleitung unserer Analyse geschrieben, rein um den Sieg und das Weiterkommen. Dass dieses in der ersten Pokalrunde auch gegen unterklassige Gegner kein Selbstläufer ist, war allen Darmstädter Protagonisten schon vor dem Spiel klar. Und das zeigten im Übrigen auch die anderen Partien der Konkurrenz an diesem Pokal-Wochenende. “Es war ein hartes Stück Arbeit”, erklärte Kai Klefisch nach Abpfiff eines intensiven Pokalspiels und ergänzte dann: “Es ging heute nur darum, das Spiel zu gewinnen. Und wir haben es gewonnen. Deswegen sind wir glücklich, dass wir eine Runde weiter sind.”
Pokal-Basics auf den Platz gebracht. Die insgesamt 8.682 Zuschauer an der Lohmühle bekamen das geliefert, wofür sie an diesem Samstagabend ins Stadion gingen: Einen Pokalfight. Die 90 Minuten gegen den Regionalligisten waren enorm intensiv und körperlich. “Großes Kompliment an den Gegner, diese Intensität so lange zu gehen”, sagte Kohfeldt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Richtung des VfB Lübeck, auch wenn die Norddeutschen in der einen oder anderen Szene gerade gegen Ende der Begegnung doch in puncto Härte übers Ziel hinausschossen. “Im Pokal gehört es dazu, dass man kämpft, beißt und einfach versucht, das Spiel zu gewinnen”, fasste Marseiler zusammen. Das tat der SV Darmstadt 98. Die Mannschaft nahm den Fight an, nahm auch den Gegner von Beginn an ernst und brachte enorme Intensität auf den Rasen. Die Zweikampfquote von 63 Prozent gewonnener Duelle zeigte, dass sie keinen Zweifel daran lassen wollte, wer in Lübeck den Platz als Sieger verlassen wird. Auch wenn die Lilien am Samstagabend sicherlich keinen spielerischen Sahnetag erwischten (weiter unten im Text mehr dazu), brachten sie die Partie erwachsen über die Bühne. Oder wie Kohfeldt sagte: “Wir haben einen nicht brillanten, aber souveränen Auftritt hingelegt.”
Der Auswärtssupport in Schleswig-Holstein. Auch das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Gute 600 Kilometer trennen das Merck-Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt vom Stadion an der Lohmühle in Lübeck. Und über 1.300 Lilien-Fans machten sich übers Wochenende auf den Weg in die Hansestadt, um ihre Mannschaft in einem prall gefüllten Gästeblock lautstark zu unterstützen und gemeinsam für das Weiterkommen im DFB-Pokal zu sorgen. Schon auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, als Florian Kohfeldt von der Anzahl der blau-weißen Mitreisenden erfuhr, zeigte er sich stolz. “Das zeigt, dass das Interesse an den Lilien vorhanden ist und das Band zwischen Fans und Mannschaft vollkommen intakt ist – das ist mir sehr wichtig und darüber freue ich mich sehr”, so der Cheftrainer des SV 98.
Das lief nicht gut:
Das Gegentor. Aus der Kategorie: Kann passieren, sollte aber nicht passieren. Als “unnötig” beschrieb daher auch Marseiler das Gegentor in der ersten Minute der Nachspielzeit. Aufgrund des dadurch wieder knappen Ergebnisses kam so noch einmal vermeintliche Spannung im Stadion an der Lohmühle auf. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Regionalligist nach seinem Anschlusstreffer keine Möglichkeiten mehr auf ein weiteres Tor hatte und auch nicht mehr gefährlich vor dem Lilien-Kasten auftauchte. Ohnehin zeigten sich die Darmstädter über die gesamte Distanz defensiv enorm konzentriert und abgeklärt. “Bis zum Gegentreffer haben wir nichts anbrennen lassen. Deswegen war es insgesamt ein verdienter Sieg”, so Marseiler.
Nicht die allererste Sahne. Das war fußballerisch sicherlich kein Sahnetag der Lilien. Eine Formulierung, die so ähnlich auch Florian Kohfeldt, Luca Marseiler und Kai Klefisch in ihren Statements zum Spiel wählten. Die Darmstädter spielten zwar erwachsen und souverän, aber sie glänzten nicht. “Wir haben im letzten Drittel die nötige Präzision vermissen lassen, zudem waren unseren offensive Laufwege nicht so da”, monierte der oben zuletzt genannte in seiner Analyse zum Spiel. Das führte dazu, dass die Südhessen oftmals eher um die Sechzehner der Lübecker herumspielten, ohne dabei die gewisse Tiefe in ihren Angriffen zu finden.
Ehrlich gesagt, ist genau das aber auch die hohe Kunst im Fußball. Denn der VfB verteidigte mit Mann und Maus, dementsprechend mit vielen Spielern in der Box. Dort die wenigen Lücken zu finden? Schwierig. Und trotzdem wurden sie von den Lilien über die 90 Minuten gesehen doch immer wieder entdeckt. Marseiler und Richter hatten im ersten Durchgang mehrere gute Möglichkeiten, auch im zweiten Durchgang hätte der SV 98 weitere Treffer nachlegen können. Man muss gerade zu Beginn der Saison den Lilien zugestehen, dass trotz dreier Pflichtspielsiege in Folge noch nicht alles perfekt läuft. Daher gilt laut Kohfeldt: “Kritisch weitermachen!” Denn am kommenden Sonntag (24.8./13.30 Uhr) gastiert die Mannschaft von Hertha BSC im Merck-Stadion am Böllenfalltor.
Zitat des Tages
Es ging heute nur darum, das Spiel zu gewinnen. Und wir haben es gewonnen. Deswegen sind wir glücklich, dass wir eine Runde weiter sind.