Foto: SV 98 27.01.2025 / Profis
Rückblick: Darum klappte es nicht mit Heimpunkten
Der SV 98 hat sein erstes Heimspiel 2025 ohne Zählbares beendet. Gegen den SC Paderborn unterlagen die Lilien nach einem Standardtreffer mit 0:1. Wenig überraschend wurde hinterher die entscheidende Szene des Spiel thematisiert. Auch wir nehmen das Gegentor sowie die Standards generell unter die Lupe, greifen aber auch noch andere erwähnenswerte Aspekte aus den 90 Minuten im Merck-Stadion am Böllenfalltor auf.
Szene des Spiels:
Das Gegentor. Wenig überraschend hat der Gegentreffer seinen Weg in diese Rubrik gefunden. In einer Begegnung, in der sich beide Seiten größtenteils gegenseitig neutralisierten, sorgte ein Eckball für das Tor des Tages. Ein lang getretener Standard von Obermair wurde per Kopf zentral vor das Tor gelegt, wo Platte aus kürzester Distanz zum spielentscheidenden 0:1 aus Liliensicht traf. Ansonsten ließ der SV 98 nicht viel zu, der Treffer reichte den Gästen jedoch, um die maximalen Punktzahl mit nach Paderborn zu nehmen. „Leider hat dann ein Standard das Spiel entschieden“, monierte Kai Klefisch den „Knackpunkt“ des Spiels: „Das Tor fällt auch zu einfach, das müssen wir uns ankreiden.“
Das lief nicht gut:
Die Standards. Auf der „Szene des Spiels“ aufbauend lässt sich konstatieren, dass generell der ruhende Ball nicht gerade der Freund der Lilien an diesem Sonntagnachmittag war. „Standards gehören schon zum Spiel dazu. Von daher ist das auch keine unverdiente Niederlage, weil Paderborn im Bereich der Standards die bessere Mannschaft war“, räumte Trainer Florian Kohfeldt ein, ehe er ergänzte: „Defensiv wie offensiv.“ Viel wurde in der Winterpause an den Standards gearbeitet, gefeilt und getüftelt, denn Kohfeldt hatte sich in diesem Bereich mit der Ausbeute in der Hinrunde noch nicht zufrieden gezeigt. Das Spiel gegen Düsseldorf hat gezeigt, dass der SV 98 hier auf einem guten Weg ist. Die Partie gegen Paderborn hat jedoch gezeigt, dass weiter Optimierungspotenzial vorherrscht. Auch der Blick auf diesen Part eines Fußballspiels zeigt, dass sich die Lilien in einer Entwicklungssaison befinden.
Die Entscheidungsfindung. Sicherlich der am meisten genannte Aspekt nach Abpfiff der Begegnung. Auch hier wird mit Blick auf die Spielzeit der Südhessen deutlich, dass der SV 98 in einem Lernprozess steckt. Teilweise lieferte man unter Kohfeldt begeisternde, mitreißende Auftritte ab. Doch bei der Königsdisziplin im Profifußball – dem Bespielen einer gegnerischen Mannschaft, welche abwartend spielt und defensiv gut verschiebt – herrscht naturgemäß noch Luft nach oben. „Eine wichtige Erkenntnis heute ist, die sich die letzten Wochen schon aufgedrängt hat: Wenn wir Zeit im Spiel haben, eigene Entscheidungen zu treffen, verharren wir zu lange im Ballbesitz und werden dadurch nicht gefährlich“, bilanzierte Kohfeldt. Der aber ausdrücklich betonte, dass dies keine Kritik sei, sondern eine Bestandsaufnahme. Und er sein Team insgesamt auf einem guten Weg sieht, was die Fortschritte der vergangenen Monate angeht. Marcel Schuhen ergänzte: „Uns hat das eine oder andere Mal die richtige Idee gefehlt, die Besetzung in der Box war teilweise nicht optimal und wir sind nicht richtig gefährlich geworden. Solche Spiele gibt es.“
Gegen Paderborn fehlte das probate Mittel, um den tiefstehenden Abwehrverbund zu knacken. Wann wird schnell gespielt? Wann tritt man auf den Ball? Wann wird das Spiel verlagert? Klefisch: „Wir haben es aber nicht geschafft, gefährlich in die letzte Ebene zu kommen. Wir müssen weiter daran arbeiten, gegen so ein Bollwerk zu Chancen zu kommen.“ Sein Chefcoach gab hinterher Einblick in sein Seelenleben. „Ich ärgere mich darüber, über so eine Niederlage“, so Kohfeldt: „Denn ich würde bei so einem Spielverlauf gerne wenigstens einen Punkt mitnehmen, das muss unser Anspruch sein. Weil das Ergebnis jetzt ein bisschen die Dinge übertüncht, die eigentlich positiver geworden sind.“
Das lief gut:
Die Verteidigungsarbeit. Denn zum Positiven hat sich einiges entwickelt, seitdem Kohfeldt das Traineramt beim SV 98 übernommen hat. Etwa das Spiel gegen den Ball. Die Südhessen verteidigen nicht nur gut, sondern sie verteidigen auch gut, wenn sie ins Risiko gehen und offensiv spielen müssen. Auch das Heimspiel gegen den SCP belegte, dass die Absicherung funktioniert und die Verteidigungsmechanismen bei Ballverlusten greifen. Dadurch schafften die Gäste kaum Entlastung und Möglichkeiten, den Spielstand weiter zu vergrößern. Kohfeldt: „Wir haben den Gegner weitestgehend vom Tor weggehalten, das wäre vor einigen Monaten vermutlich noch undenkbar gewesen.“
Zitat des Tages
Wir müssen uns weiterentwickeln und es schaffen, auch in solchen Spielen mehr Tempoaktionen zu kreieren. Die abgezocktere und standardstärkere Mannschaft hat heute gewonnen.