Wird ein Mensch als „Schlange“ tituliert, so hat diese Bezeichnung zumeist keinen positven Hintergrund. Der Vergleich mit dem Reptil soll häufig verdeutlichen, dass die jeweilige Person unehrlich gehandelt hat oder nicht sonderlich vertrauenswürdig auftritt. Im Falle von Dresdnens Niklas Hauptmann ist der Grund aber ein ganz anderer. Der ehemalige Dynamo-Kapitän und heutige Nachwuchsleiter Marco Hartmann verpasste seinem damaligen Mitspieler diesen Spitznamen in Anlehnung an dessen Spielweise. „Den bekommst du nicht vom Ball weg. Da dreht er sich rechts, links und du kommst nicht ran.“
Zwar ist der Rufname „Schlange“ nach Aussagen von Hauptmann selbst mittlerweile die Ausnahme geworden, den Fußballer beschreibt dieser Vergleich aber weiterhin gut: Der gebürtige Kölner ist schwer zu greifen, bewegt sich geschickt in den Räumen und hat die Fähigkeit, durch das Mittelfeld zu gleiten.
Das Talent wurde dem heute 29-Jährigen dabei in gewisser Weise in die Wiege gelegt. Vater Ralf absolvierte insgesamt 205 Bundesligaspiel für Dynamo und den 1. FC Köln und kam auch für die DDR-Nationalmannschaft zum Einsatz. Aufgrund seiner Zeit beim „Effzeh“ erblickte Sohnemann Niklas im Jahr 1996 in Köln das Licht der Welt und startete seine Fußballkarriere später bei Viktoria Frechen, bevor es die Hauptmanns zurück in den Osten zog und sich Niklas dem SC Borea Dresden anschloss. Dort fiel auf, dass Hauptmann über außergewöhnliche Übersicht und ein feines Passspiel verfügt – Fähigkeiten, die ihn im zentralen Mittelfeld zu einem besonderen Talent machten.
Der weitere Weg führte zu Dynamo Dresden, wo ihm nach sieben Jahren in der Jugend der Sprung zu den Profis gelang. Nach einem Lehrjahr wird „Haupe“ schnell zum Leistungsträger in der zweiten Liga und spielt sich in den Fokus des 1. FC Köln, zu dem er im Sommer 2018 wechselt und damit einmal mehr in die Fußstapfen seines Vaters tritt.
Beim „Effzeh“ kämpft Hauptmann jedoch häufig mit Verletzungsproblemen, die ihm nur wenig Spielzeit erlaubten. Um regelmäßig Spielpraxis zu sammeln, wechselte er deshalb in den turbulenten Coronazeiten auf Leihbasis zu Holstein Kiel. Dort findet er wieder zu alter Form zurückfinden und scheitert mit den „Störchen“ nur knapp am Aufstieg zur Bundesliga.
Nach der Leihe endet trotz des starken Jahres in Kiel die Zeit in Köln endgültig. Hauptmann zieht es zurück zu seinem Herzensverein nach Dresden, für den er mittlerweile 167 Pflichtspiele absolviert hat. Auch in dieser Saison hat der Mann mit der Rückennummer 27 eine wichtige Rolle inne und kommt bereits auf drei Scorerpunkte. Die Lilien sollten also gewarnt sein.