Der Applaus im Sportpark Ronhof ebbt langsam ab, als Branimir Hrgota in der ersten Minute der Nachspielzeit den Ball aus dem Netz holt. Kein wilder Jubel, kein exzessives Feiern – nur ein stilles Lächeln, ein kurzer Blick zur Tribüne. Doch ist es ein Moment von historischer Bedeutung: Das 45. Zweitliga-Tor des Kapitäns für die SpVgg Greuther Fürth. Ein Treffer, der mehr ist als nur ein Ehrentor bei der 1:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC im Oktober dieses Jahres. Es ist der Augenblick, in dem ein 45 Jahre alter Rekord fällt – der von Klaus Heinlein.
Und dieser steht keine fünfzig Meter entfernt, lehnt sich leicht nach vorne und klatscht. „Ist doch nicht schlimm, im Gegenteil“, sagt der 71-Jährige gegenüber dem Kleeblatt Magazin lachend. „Ich freue mich doch, wenn jemand für die Spielvereinigung einen Haufen Tore schießt.“ Worte, die so typisch sind für den bodenständigen Fürther, der einst selbst Geschichte schrieb und lange Zweitliga-Rekordtorschütze des Kleeblatts war. Bis eben jener Branimir Hrgota an ihm vorbeizog.
Branimir Hrgota. Seit 2019 trägt er das grün-weiße Trikot und hat längst seine Spuren hinterlassen: 56 Tore in der 2. Bundesliga, dazu neun Treffer in den beiden Fürther Bundesliga-Saisons. Hätte Fürth 2021 nicht den Aufstieg in die Bundesliga geschafft, wäre Heinleins Zweitliga-Rekord wohl schon früher gefallen. Doch nun, nach 45 Jahren, war es so weit. Zwei Spieler, zwei Epochen – verbunden durch Tore, Leidenschaft und den Ronhof.
Ein Rekord, der verbindet. Hrgota, geboren 1993 im schwedischen Jönköping als Sohn bosnischer Eltern, begann seine Fußballreise in der Jugend des kleinen Vereins IK Tord und Jönköpings Södra IF, wo er als schmächtiger, aber technisch brillanter Junge auffiel. Sein Talent blieb auch in Deutschland nicht unentdeckt: 2012 holte ihn Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga. Nach drei Jahren am Niederrhein – mit Toren in der Liga und in der Europa League – wechselte er zu Eintracht Frankfurt.
2019 zog es ihn dann nach Fürth – ein Schritt, der seine Karriere neu belebte. Schon bald wurde er Kapitän, Leistungsträger und emotionaler Anführer des Teams. Sein erstes Tor für das Kleeblatt erzielte er am fünften Spieltag der Saison 2019/20: In der vierten Minute brachte er Fürth bei Arminia Bielefeld mit 1:0 in Führung. Am Ende hieß es 2:2 – der Beginn einer besonderen Verbindung zwischen Hrgota und dem Verein.