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21.08.2023 / Profis

Tauglichkeitstest

Wenn man mit 0:3 bei einem Regionalligisten direkt in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal ausscheide, sei man dann überhaupt bundesligatauglich? Was habe so eine Mannschaft denn in der 1. Liga verloren? Könne sie gegen so ein Top-Team wie Eintracht Frankfurt überhaupt mithalten? Es ist nur ein Bruchteil von dem, was nach dem Pokalaus und vor dem Bundesliga-Start von außen auf den SV Darmstadt 98 einprasselte. Am späten Sonntagnachmittag aber, da lieferten die Lilien trotz einer knappen 0:1-Niederlage in Frankfurt die richtigen Antworten.

Foto: Stefan Holtzem

Die wichtigste vorneweg: Ja, der SV Darmstadt 98 ist bundesligatauglich. „Wir sind nicht so schlecht, wie von außen berichtet wird“, stellte Fabian Holland noch in der Mixed-Zone klar. Denn die Lilien, sie zählen zurecht in der Saison 2023/24 zu den besten 18 Mannschaften der Bundesrepublik. Oder, wie es der Kapitän unmittelbar nach 90 couragierten Minuten, in denen er und seine Teamkollegen aufopferungsvoll sowie leidenschaftlich kämpften, ausrückte: „Wenn irgendjemand noch nicht gemerkt hat, dass für uns in dieser Saison etwas geht, dann sollte es heute jedem klar geworden sein.“

Berechtigung

Über die gesamte Spieldauer bot der SV 98 dieser qualitativ extrem stark besetzten Frankfurter Mannschaft absolut Paroli. Ein Team, das noch 2022 die Europa League gewann, in den letzten sechs Jahren gleich fünfmal an internationalen Wettbewerben teilnahm und zahlreiche Nationalspieler wie Top-Talente, die von europäischen Spitzenklubs umworben werden, in ihren Reihen weiß. Genau dieser Mannschaft verlangten die Lilien alles ab, stellten sie vor echte Probleme. Etwas, was auch den gegnerischen Trainer beeindruckte. „Jeder hat heute gesehen, dass Darmstadt nicht durch Zufall aufgestiegen ist“, erklärte Dino Toppmöller auf der Pressekonferenz nach der Partie: „Die Lilien haben die absolute Berichtigung für die Bundesliga.“

Dabei standen im Hessenderby nur zwei Spieler in der Darmstädter Startaufstellung, die überhaupt schon einmal in Deutschlands höchster Spielklasse aufliefen. Während Holland sein 50. Bundesliga-Spiel bestritt, schnupperte Matej Maglica zuvor noch in Diensten des VfB Stuttgart gerade einmal fünf Minuten Erstliga-Luft. Insgesamt gleich zwölf Lilien feierten dagegen in Frankfurt ihr Bundesliga-Debüt. Die Eintracht konnte derweil auf einen Kader zurückgreifen, der die Erfahrung von zusammengezählt über 2.500 Erstliga-Partien mitbrachte. Und dennoch. „Wir haben absolut gemerkt, dass wir auf diesem Niveau mithalten können“, verdeutlichte Christoph Zimmermann. Die Zweikampfquote (55:45 Prozent) sprach für die Südhessen. Zudem zählte die Statistik mehr Torschüsse (10:9) für die Blau-Weißen, die von der Chancenqualität her einen Treffer verdient gehabt hätten.

Wir waren gefährlich, ohne aber ins offene Messer zu laufen oder Harakiri zu spielen.

Christoph Zimmermann über das Auftreten des SV 98 in Frankfurt

Die Lilien, sie schnupperten an den ersten Punkten dieser Saison. „Wir haben in der ersten Halbzeit kontrolliert und couragiert gespielt sowie in der zweiten Hälfte einen massiven Auftritt hingelegt“, lobte Cheftrainer Torsten Lieberknecht, dessen Mannschaft enorm diszipliniert auftrat. In der Defensive kompakt, in der Offensive mit Zug zum Tor. Zimmermann: „Wir waren gefährlich, ohne aber ins offene Messer zu laufen oder Harakiri zu spielen.“ Allerdings verteidigten die Darmstädter in der spielentscheidenden Szene zu unachtsam. Ein Fehler, der auf Bundesliga-Niveau konsequent bestraft wird. Vollzogen von einem gewissen Randal Kolo Muani, der in besagter Szene dann eben dort stand, wo Stürmer stehen müssen. So standen die Südhessen trotz ansprechender Leistung schlussendlich ohne Punkte da. „Die Jungs sind massiv enttäuscht, weil wir die Chance hatten, hier etwas Zählbares mitzunehmen“, so Lieberknecht.

Mut und Zuversicht

Gut gespielt, trotzdem verloren. In Zukunft gilt es daher für die Lilien, auch aus solch knappen Spielen nicht als Verlierer herauszugehen. „Schließlich wollen wir diese Saison nicht nur gute Spiele machen und alle anderen ein bisschen ärgern, sondern unsere Punkte holen“, erklärte Holland. Doch war dieser Auftritt in Frankfurt ein Mutmacher für die restlichen 33 Bundesliga-Spieltage. Ein Duell, aus denen die Lilien bis auf das Endergebnis viel Positives abgewinnen konnten, wie Zimmermann untermauerte: „Das Spiel gibt uns Zuversicht, Mut und auch Bestätigung, dass wir mithalten können.“

Dieses Wissen um die eigenen Stärken nehmen die Lilien nun mit in die neue Woche, an deren Samstag (26.8./15.30 Uhr) direkt der nächste Hochkaräter wartet. Nach insgesamt 2296 Tagen wird der SV Darmstadt 98 im Merck-Stadion am Böllenfalltor dann wieder ein Heimspiel in der 1. Fußball-Bundesliga bestreiten. Gegner dabei ist kein Geringerer als der 1. FC Union Berlin – in diesem Jahr erstmals in der Champions League vertreten und mit einem 4:1-Sieg über Mainz 05 eindrucksvoll aus den Startlöchern gekommen. Nächste Chance, um die vermeintlichen Experten Lügen zu strafen und Saison-Prognosen ins Gegenteil zu verkehren. Auch am zweiten Bundesliga-Spieltag will ein jeder, der die Lilie auf der Brust trägt, erneut seine Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis stellen. „Wir werden den nächsten Versuch starten, die ersten Punkten zu holen“, versprach Lieberknecht noch in den Katakomben der Frankfurter Arena.

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