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23.08.2023 / Profis

Union Berlin im Gegnercheck

Monaco. Das Fürstentum an der französischen Mittelmeerküste. Bekannt für seine Jachthäfen, prunkvolle Hotels und luxuriöse Casinos. Und in diesem Jahr zudem Ort der Auslosung für die Gruppenphase der UEFA Champions League. Im Grimaldi Forum am Strand von Monte Carlo werden sie sich am 31. August versammeln, die Größen des europäischen Klub-Fußballs. Titelverteidiger Manchester City und Rekordsieger Real Madrid. Paris Saint-Germain oder auch Inter und der AC Mailand sowie der FC Barcelona. Mit dabei sein – im Konzert dieser namhaften Spitzenklubs – wird auch ein Verein aus dem Berliner Stadtteil Köpenick. Der 1. FC Union Berlin. Vor vier Jahren noch in der 2. Bundesliga. Jetzt in der Königsklasse.

Foto: eibner Pressefotos

Rückblick. 05. Mai 2019. Heimspiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor. In der 2. Bundesliga stand damals der 32. Spieltag an. Die Lilien empfingen den 1. FC Union Berlin. Die Köpenicker, sie waren damals auf dem Sprung ins deutsche Fußball-Oberhaus. Doch dank der Treffer von Yannick Stark und Mathias Wittek verpasste der SV 98 dem sich mitten im Aufstiegsrennen befindenden FCU eine bittere 1:2-Niederlage. Hoch ging es für die Eisernen am Ende der Saison trotzdem. Ein Höhenflug, der bekanntlich in den Folgejahren nicht enden sollte.

Wie stark die Unioner auch aktuell wieder drauf sind, haben am vergangenen Wochenende die Kicker von Mainz 05 zu spüren bekommen. Mit einem 4:1-Heimsieg feierte der FCU am ersten Spieltag einen Saisonauftakt nach Maß. Kein Wunder also, das Torsten Lieberknecht noch auf der Pressekonferenz in Frankfurt davon sprach, dass am kommenden Samstag (26.8./15.30 Uhr) auf die Lilien der nächste „absolute Hochkaräter“ zukomme. Vor dem Aufeinandertreffen im Merck-Stadion am Böllenfalltor haben wir den Gegner der Darmstädter genauer unter die Lupe genommen. Der 1. FC Union Berlin im Gegnercheck.

Der Trainer

Urs Fischer. Unions Cheftrainer ist keiner, der die Coachingzone rauf und runter marschiert. Im Urlaub wandert er dagegen regelmäßig in den Schweizer Alpen. An freien Tagen mag er es, mit seinem Co-Trainer angeln zu gehen. Er gilt als ruhiger, gelassener Zeitgenosse. Dennoch lässt er im Stadion An der Alten Försterei keinen Zweifel daran aufkommen, dass er der Chef ist. Und seine Spieler folgen ihm. Der einstige Innenverteidiger, der für St. Gallen und die meisten Zeit seiner Karriere für den FC Zürich kickte, schulte den Köpenickern das Defensivspiel – nur die Bayern kassierten vergangene Saison weniger Gegentore. Zudem entwickelte er die Offensive über die Jahre stetig weiter, veränderte die taktischen Herangehensweisen und passte sie Liga und Gegnern an.

Heute haben nur zwei Cheftrainer eine längere Amtszeit beim 1. FC Union Berlin – Uwe Neuhaus (2007 bis 2014) und Heinz Werner (1976 bis 1982). Seit 2018 sitzt der gebürtige Schweizer fest im Sattel der Eisernen, sammelte in 209 Pflichtspielen im Schnitt 1,62 Punkte pro Spiel. Gleich in seiner ersten Saison gelang ihm der Bundesliga-Aufstieg gefolgt vom Erstliga-Klassenerhalt und dem Einzug in die europäischen Klubwettbewerbe. Doch der 57-Jährige ist keiner, der stets im Rampenlicht stehen will. Vielmehr überzeugt Fischer durch seine Bodenständigkeit. Demut und Bescheidenheit stehen bei ihm trotz des Erfolgs in jüngster Vergangenheit auf der Tagesordnung. „Es wird wichtig sein, dass wir uns treu bleiben“, sagte er in der vergangenen Saison. Da hatte sich Union Berlin wenige Zeigerumdrehungen zuvor gerade für die Champions League qualifiziert.

Foto: eibner Pressefotos

Transfermarkt

Top-Neuzugänge Top-Abgänge
Robin Gosens (29, Inter Mailand) Sven Michel (32, FC Augsburg)
Kevin Volland (31, AS Monaco) Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
David Datro Fofana (20, Chelsea FC) Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart)
Brenden Aaronson (22, Leeds United) Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
Diogo Leite (24, FC Porto) Rick van Drongelen (24, Samsunspor)

Prunkstück

Das ist auf jeden Fall die Breite, die Breite des Kaders von Union Berlin. Allein die Auswechselbank der Eisernen im Heimspiel gegen Mainz 05 konnte sich absolut sehen lassen. Da saß an der Seitenlinie in Berlin Köpenick zum einen mit Robin Gosens ein zweifacher italienischer Pokalsieger und 16-facher deutscher Nationalspieler und zum anderen ein Kevin Volland, der 15-mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug. Beide erst in der Woche vor dem ersten Bundesliga-Spieltag verpflichtet und mit reichlich Erfahrung im internationalen Fußball im Gepäck in der Hauptstadt angekommen. Zudem konnte Cheftrainer Urs Fischer gegen Mainz auf die Joker-Qualitäten eines Sheraldo Becker setzen, auch eines Jordan oder Josip Juranovic. Rani Khedira, Lucas Tousart oder Janik Haberer waren dagegen verletzungsbedingt nicht mal im Kader. 

All Eyes on ...

„Ein Stürmer, der Tore schießt, kann überall Tore schießen. Egal in welcher Liga. Ein Stürmer, der keine Tore schießt, schießt nie Tore. Egal in welcher Liga“, hatte Fred Rutten, früherer Schalke-Trainer, einst gesagt. Es sind Sätze, die sich auch Oliver Ruhnert ins Gedächtnis rief, als der Unioner Manager im Sommer 2021 diesen einen Stürmer vom SV Sandhausen nach Köpenick holte. Kevin Behrens. Heute 32 Jahre alt und aktuell immer noch gut dreimal so viele Regionalliga- wie Bundesliga-Einsätze in seiner Vita zu stehen. Das beste Beispiel einer Spätentwickler-Karriere. In Bremen geboren kam er bei Werder nicht über die dritte Mannschaft hinaus. Über Stationen in Wilhelmshaven, bei Hannover 96 II, Alemannia Aachen und Rot Weiß Essen ging es für ihn erst nach Saarbrücken und dann nach Sandhausen, wo er erst im Alter von 27 Jahren sein Zweitliga-Debüt feierte. Doch egal, ob in der 2. Liga oder in den Regionalligen der Republik: Behrens machte immer seine Tore.

Auch derzeit ist der Mittelstürmer in aller Munde. Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison entwickelte er sich zum Stammspieler, seine Formkurve deutet in dieser Spielzeit ebenfalls wieder nach oben. Am ersten Spieltag avancierte er direkt mal mit einem Dreierpack beim 4:1-Sieg gegen Mainz 05 zum Matchwinner. Ein Novum gelang ihm dabei, weil er alle drei Treffer per Kopf erzielte. Das gelang seit Beginn der detaillierten Datenerfassung in der Saison 1998/99 zuvor noch niemanden. Behrens (1,85 Meter groß) kann’s ohnehin mit den Schädel. In der abgelaufenen Spielzeit gewann er 183 Kopfballduelle und damit bundesligaweit die zweitmeisten. Über seinen Kopfball-Hattrick sagte er am vergangenen Sonntag (20.8.): „Es war ein guter Anfang. Das muss man jetzt über die nächsten Wochen bestätigen.“ Doch bitte nicht in Darmstadt.

Foto: eibner Pressefotos

Von der 2. Liga in die Königsklasse

27. Mai 2019! Ein besonderes Datum für alle Fans von Union Berlin. An diesem Tag schafften die Köpenicker den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. Nachdem sich der FCU im Hinspiel der Relegation auswärts ein 2:2 beim VfB Stuttgart erkämpfte, reichte den Eisernen im Rückspiel ein 0:0 vor heimischer Kulisse. Seitdem spielt Union erstklassig. Und nahm in der Beletage des deutschen Fußballs eine Entwicklung, die kaum einer für möglich gehalten hätte. Erst der souveräne Klassenerhalt, dann qualifzierte sich Union Berlin gleich drei Jahre in Folge für das internationale Geschäft.

Saison Platzierung Besonderes
2019/20 11 Klassenerhalt
2020/21 7 Qualifikation für Europa Conference League
2021/22 5 Qualifikation für Europa League
2022/23 4 Qualifikation für die Champions League

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