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07.10.2023 / Profis

Vom erwachsen werden

Das Erwachsenwerden ist ein langwieriger, laut vielen Stimmen gar niemals vollständig abgeschlossener Prozess. Über die Jahre gewinnt der Mensch an Reife, er sammelt Lebenserfahrung, viele Dinge werden durch unzählige Wiederholungen zur Routine. In gewisser Art und Weise ist dieser Weg hin zum Erwachsenen mit dem des SV Darmstadt 98 in dieser Saison vergleichbar. Und der Erfolg in Augsburg mit einem weiteren wichtigen Schritt im steten Lernprozess des Lebens – oder besser gesagt – einer laufenden Bundesliga-Spielzeit.

Foto: Stefan Holtzem

Betrachtet man alleine die ersten drei Spieltage, könnte man die Lilien durchaus in die Gruppe der Kleinkinder einsortieren. Neugierig auf die Welt der Großen, häufig mit forschen Momenten, dann aber auch staunend und zurückhaltend. Zudem naturgemäß mit teilweise falschem Verhalten auf ungewohnten Terrain. Die Darmstädter Kinderkrankheiten? Unaufmerksamkeit und fehlende Präzision (Frankfurt), das Verteidigen von Standards (Union Berlin) oder das Zugestehen von zu großen Räumen (Leverkusen).

Die Pubertät

Doch der kleine SV 98 durchlief seine persönliche Grundschule, er lernte das ABC der Bundesliga und nahm diese ersten Erfahrungen mit auf die nächste Stufe: die Pubertät. Die Südhessen wurden frecher und respektloser gegenüber gewachsenen Autoritäten. Zumindest in den eigenen vier Wänden. Gegen Mönchengladbach sorgte die jugendliche Leichtigkeit für die erste richtig große Hausparty (3:0-Führung), der folgende Hangover (3:3-Endstand) fiel dann aber genauso mächtig aus. Typisch Teenie eben. Genauso typisch für einen Jugendlichen? Gerne einmal den halben Tag zu verschlafen. Oder auf die Lilien übertragen: Den Großteil des Auswärtsspiels in Stuttgart. Das nächste Learning: Wer nicht von Beginn an hellwach ist, der hat in der Bundesliga keine Chance.

Mit all diesen Anfangserfahrungen empfingen die Darmstädter dann ihre Gäste aus Bremen. Und tätigten einen großen Schritt nach vorne. Fast 70 Minuten lang konnte man den Lilien getrost eine absolut erwachsene Leistung attestieren. Zielstrebig, abgeklärt, souverän. Bevor in der abschließenden halben Stunde doch wieder jugendliche Schwankungen in Form von natürlicher Nervosität und Hektik auftraten. Zumal auf der Gegenseite erneut ein ausgewachsener Bundesliga-Brecher gegenüberstand. Ungeachtet dessen ergatterte der SV 98 seinen ersten Sieg der Saison und zudem eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Und damit einen extrem wichtigen Treibstoff auf dem Weg vom Teen zum Grown-Up. Und auf dem Weg zum Auswärtssieg in Augsburg.

Wir sind erwachsener geworden

Fabian Holland, Kapitän des SV 98

„Wir sind erwachsener geworden“, erklärte Fabian Holland, zarte 33, nach dem Erfolg in der Fuggerstadt. „In den Spielen zuvor waren wir teilweise etwas kopflos, heute hatten wir ihn immer eingeschaltet.“ Sinn und Verstand statt jugendlicher Impulsivität könnte man wohl sagen, um in unserem Bild zu bleiben. Konkretisiert wurde der Reifeprozess von Augsburg wenig später vom Stammesältesten, Tobias Kempe: „Wir haben spielerisch nochmal einen Schritt nach vorne gemacht, haben guten Fußball mit viel Ballbesitz gespielt und waren mutig in den Zweikämpfen.“

Entwicklung im steten Lernprozess

Nun sind erst 7 von 34 Spieltagen absolviert, ein gutes Fünftel der Saison oder analog rund 16 Jahre bei der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland von 80. Doch der SV 98 befindet sich auf dem richtigen Pfad, stets den nächsten Abschnitt zu erreichen. Wohlgemerkt in einer Ansammlung von Mannschaften, die, mit Ausnahme des jahrelangen Klassenkameraden aus Heidenheim, über viel mehr Lebens-, ergo Ligaerfahrung verfügen. Und in dem Wissen, dass eine Entwicklung nie linear verläuft, sondern auch Schwankungen unterliegen wird.

„Ich habe wieder eine Entwicklung bei meiner Mannschaft gesehen“, betonte daher Cheftrainer Torsten Lieberknecht, gewissermaßen der Erziehungsberechtigte seiner noch nicht ganz volljährigen Truppe. Wohlwissend, dass der „stetige Lernprozess“ (Zitat Kempe) längst nicht abgeschlossen ist. Doch die Chancen sind gegeben, dass der 50-Jährige am Saisonende sagen könnte: „Schau an, was aus dir geworden ist, SV 98.“

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