09.01.2025 / Profis
„Wir haben beide unseren Werkzeugkoffer“
In El Saler sind sowohl Martin Heck als auch Darius Scholtysik erstmals mit den Lilien in einem Wintertrainingslager. Wir haben die beiden Co-Trainer zum Interview getroffen und unter anderem über ihre Aufgabenverteilung und die Zusammenarbeit mit Florian Kohfeldt gesprochen.
sv98.de: Heckes, Scholty, wie ist es eigentlich so, immer nur mit Nachnamen angesprochen zu werden?
Martin Heck: Ich bin damit groß geworden und kenne es gar nicht anders. Ich mag das gerne und finde auch überhaupt nicht, dass man dadurch einen Autoritätsverlust hat. Ich habe mich mit diesem Namen hier vorgestellt, so fühle ich mich wohl.
Darius Scholtysik: Es gibt fast niemanden, der mich Darius nennt. Selbst meine Frau sagt Scholty. So kennt mich einfach jeder.
Heck…: Und wenn ich mal Darius sage oder er Martin, dann nur, um sich ein wenig aufzuziehen oder noch einmal stärkere Aufmerksamkeit zu schaffen.
sv98.de: Für euch beide ist es das erste Wintertrainingslager mit Darmstadt. Heckes für dich das erste Lilien-Trainingslager überhaupt. Wie gefällt es euch bislang hier in El Saler?
Heck: Ich finde es eine sehr gute Wahl. An erster Stelle steht das Inhaltliche und wir haben hier sehr kurze Wege, sind sofort auf dem Platz und haben so vollen Fokus auf die Abläufe. Der Platz ist super, das Wetter gut, das trägt dann auch zu einer guten Stimmung bei.
sv98.de: Freut man sich in der Funktion des Co-Trainers auf diese intensiven und langen Tage, die vielen Einheiten und das ständige Zusammensein mit dem Team?
Scholtysik: Natürlich geht es in dieser Woche richtig zur Sache. Neben den Einheiten stehen Gespräche an und viele Dinge, um die man sich während einer Saison nicht so gut kümmern kann.
Heck: Ich empfinde es als Privileg. Du kannst dich von morgens bis abends auf die Inhalte konzentrieren. Die Spieler sind ständig um uns herum, wir haben immer Zugriff auf sie und können verschiedene Themen mit ihnen besprechen. Diese Woche ist extrem wichtig, um möglichst viel zu vermitteln. Gefühlt dauert die Trainingseinheit so den ganzen Tag.
sv98.de: Wie kann man sich die generelle Aufgabenverteilung bei euch beiden vorstellen? Fließende Übergänge oder klar abgegrenzte Zuständigkeiten?
Scholtysik: Das ist schon fließend. Jeder von uns hat seinen speziellen Aufgabenbereich, aber wir ergänzen und unterstützen uns sehr gut. Zwischen uns läuft das sehr harmonisch und immer im Sinne der Mannschaft und mit dem Ziel, auch die Ideen des Cheftrainers bestmöglich zu unterstützen. Heckes hat insbesondere im taktischen und technischen Bereich und in der Gegnervorbereitung sein Spezialgebiet, ich kümmere mich um die Standardsituationen. Aber wir tauschen uns immer aus.
Vier Augen sehen mehr als zwei, sechs Augen mehr als vier. Und das erst recht, wenn du in alle Richtungen guckst.
sv98.de: Häufig arbeiten Co-Trainer über viele Jahre mit dem jeweiligen Cheftrainer zusammen, oft auch bei verschiedenen Vereinen. Mit Florian Kohfeldt habt ihr beide zuvor noch nicht in einem Trainerteam fungiert. Braucht so etwas dann ein wenig Anlaufzeit oder hat es auf Anhieb harmoniert?
Heck: Bei Flo und mir hat es schon vorher harmoniert, wir hatten schon länger Kontakt und wussten, dass es auf der menschlichen Ebene passt und wir in eine sehr ähnliche Richtung denken. Es hat dann nur drei Jahre gedauert, bis wir auch auf Arbeitsebene zusammengefunden haben. Wir wussten aber noch nicht, wie die Zusammenarbeit unter Druck im Job funktioniert. Wir haben aber sehr schnell gemerkt, dass wir drei alle eine ähnliche Einstellung zur Arbeit und zu den Dingen haben, die wir vermitteln wollen. So kamen wir erstaunlich schnell auf einen Nenner. Dabei geht aber nicht darum, Flo einfach nur zu bestätigen. Wir unterstützen ihn, ergänzen ihn und zeigen auch mal eine andere Sichtweise auf. Vier Augen sehen mehr als zwei, sechs Augen mehr als vier. Und das erst recht, wenn du in alle Richtungen guckst.
Scholtysik: Heckes und Flo hatten vielleicht den kleinen Vorteil, dass sie sich auf der persönlichen Ebene bereits kannten und bereits umfangreich über Fußball ausgetauscht hatten. In den ersten ein, zwei Wochen musste ich schon gucken, wie Flo tickt, wie er arbeiten möchte und wie seine Idee vom Fußball aussieht. Da habe ich eine kurze Zeit gebraucht, um mich einzufinden. Menschlich hat es von Anfang an harmoniert.
sv98.de: Wie kann man sich euren täglichen Austausch vorstellen?
Heck: Es wird nichts dem Zufall überlassen. Das ist sicherlich ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung. Wir versuchen, dass bei den Spielern überhaupt keine Fragezeichen bleiben. Wir wollen jede Frage der Spieler zu Inhalten des Trainings beantworten können. Flo ist unfassbar akribisch, nimmt aber gleichzeitig alle mit. Das sorgt auch dafür, dass wir alle jeden Tag sehr viel Zeit investieren, um nach und nach den gewünschten Output zu erreichen.
sv98.de: Schauen wir noch ein wenig auf eure bisherige Trainerlaufbahn. Scholty, du gehst in dein 18. Jahr in einer Trainerfunktion im Herrenbereich, warst zuvor in Braunschwieg auch Jugendtrainer. Heckes, du warst 15 Jahre als Trainer im Nachwuchs des 1. FC Köln aktiv, bevor du anderthalb Jahre bei der Profimannschaft des VfL Osnabrück tätig gewesen bist. Inwiefern unterscheiden sich eure Wege und bringt ihr dadurch auch unterschiedliches Know-how ein?
Heck: Scholty war selbst Profi, hat danach eine Ausbildung gemacht und mit einem anderen Weg und einer anderen Vorrausetzung seine Trainerkarriere gestartet. Ich habe zwar auch selbst gespielt, aber nie so hochklassig und habe dann Sport studiert und mir die Grundlagen eher wissenschaftlich erarbeitet. In Köln habe ich alle möglichen Jugendbereiche als Cheftrainer durchlaufen, bin mit der U17 Deutscher Meister geworden. Dadurch wirke ich sicherlich auf eine andere Art auf die Spieler ein als Scholty. Er hat selbst Profierfahrung gesammelt, das habe ich nicht. Ich würde mir nie anmaßen, einem Spieler Tipps zu geben für Situationen, die ich selbst nie erlebt habe. Dafür weiß ich, was ein Spieler braucht, um Taktik und Technik zu verstehen. Wir haben beide unseren Werkzeugkoffer. So können wir alles abdecken, weil wir ein sehr gutes Potpourri im Trainerteam haben.
Scholtysik: Das ist sicherlich ein großer Vorteil. Ich selbst habe auf jeden Fall während meiner Karriere gemerkt, dass man nie ausgelernt hat. Natürlich hilft es, wenn man verschiedene Situationen schon einmal erlebt hat. Aber jeder Spieler ist unterschiedlich und entsprechend müssen wir auch immer schauen, wie sie ticken. Deswegen ist es gut, dass wir in unserem Team in allen Bereichen individuell auf sie eingehen können.
sv98.de: Eine gute Überleitung. Denn auch hinter jedem Trainer verbirgt sich natürlich ein Mensch. Wie tickt ihr privat?
Heck: Wir haben einige Dinge gemeinsam. Wir schätzen das Leben wert, wir sehen das Glas immer eher voll als leer. Wir sind beide Familienmenschen und haben gerne Spaß, ohne dabei die Ernsthaftigkeit zu verlieren. Und wir lieben, was wir machen. Ansonsten bin ich ein wirklich fröhlicher Mensch, sehr kommunikativ und ich mag es, mich mit Menschen zu umgeben.
Scholtysek: Die Familie ist für mich extrem wichtig, Das war schon als Spieler so und ist es weiterhin geblieben. Ich brauche diesen Rückzugsort in vertrautem Umfeld. Fünf bis sechs Tage ist Fußball, Darmstadt 98. Alles geben, was geht. Und die andere Zeit bin ich Zuhause. Abschalten. Kraft tanken.
Heck: Es geht immer um Beziehungen. Zur Familie, zu Freunden, zu Kollegen. Du kannst so viel Geld haben, wie du willst. Am Ende bist du nur glücklich, wenn du die Menschen um dich herum hast, die dir gut tun.
sv98.de: Zum Schluss noch ein Blick nach vorne: Wie optimistisch blickt ihr auf die anstehende Rückrunde?
Scholtysik:. Eine Saison ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und wir haben die Hälfte davon absolviert. Die Voraussetzungen für den zweiten Teil sind gut, wir wollen stabil in unseren Leistungen bleiben und dafür arbeiten wir an Kleinigkeiten, die im Profifußball vieles entscheiden. Wenn die Mannschaft ihre Arbeitseinstellung, den Lernwillen und die Freude beibehält, dann sind wir wirklich auf einem guten Weg.
Heck: Wir sind gut damit beraten, weiterhin von Tag zu Tag zu denken. Wir arbeiten im Hier und Jetzt und dürfen diesen Blick nicht verlieren. Trotzdem gibt es einen Moment, der mich sehr schnell optimistisch nach vorne hat blicken lassen: Nach dem Auswärtssieg auf Schalke kam ich in die Kabine, die Jungs standen alle zusammen Arm im Arm im Kreis, Luca Marseiler hat Musik angemacht und das ganze Team hat gemeinsam gesungen. Danach habe ich meine Frau angerufen und gesagt: ‚Hier geht was. ‘ Weil es eine Voraussetzung für Erfolg ist, dass die Jungs so zusammenhalten.