„Natürlich sind wir enttäuscht über die Niederlage“, betonte Marcel Schuhen nach Abpfiff des Achtelfinals. Die Pokalreise des SV Darmstadt 98, sie endete nach den Siegen in den ersten beiden Runden gegen Ingolstadt und Borussia Mönchengladbach mit einem 2:4 am Dienstagabend in Frankfurt. In der zweiten Halbzeit den Kürzeren gezogen. Hessenderby verloren. Aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Und doch realisierten die Lilien schnell, was sie in den 90 Minuten zuvor ihrer blau-weißen Anhängerschaften geboten hatten. Welchen Kampf sie dem klassenhöheren Gegner im Achtelfinale lieferten, das deutschlandweit ein Millionenpublikum vor die Fernsehgeräte lockte. „Ich denke schon, dass sich der ein oder andere die Augen gerieben hat – aufgrund der Art und Weise, wie wir speziell vor der Pause gespielt haben“, erklärte der Torhüter des SV 98.
„Trotz der Niederlage kann jeder Lilien-Fan stolz nach Hause fahren.“
Denn trotz aller Enttäuschung behielten die Darmstädter Protagonisten ihre Köpfe oben. Aus dem Gästeblock schallte ihnen nach Abpfiff lautstarker, aufmunternder Applaus entgegen. Aufgrund des Auftretens mit der Lilien auf der Brust. Nicht nur in diesem einen Spiel, schon in der gesamten jüngeren Vergangenheit. Auf ihre Leidenschaft und den Willen, sich gegen den Champions-League-Teilnehmer mit allen Mitteln zu wehren, ihn zu ärgern, wo es nur geht. „Wir haben uns so präsentiert, sodass – als wir in die Kurve gegangen sind – unsere Fans eine ordentliche Leistung honorieren konnten“, sagte Torsten Lieberknecht. Und Schuhen verdeutlichte: „Trotz der Niederlage kann heute jeder Lilien-Fan stolz nach Hause fahren.“
Individuelle Qualität setzt sich durch
Die Lilien, sie ließen sich auch von einem frühen Rückstand nicht beirren. „0:1 – scheiße, passiert. Aber das Spiel geht weiter“, dachte sich nicht nur Mathias Honsak, wie er in der Mixed-Zone verriet. Die Mannschaft vom Böllenfalltor zeigte im Anschluss wieder einmal genau das, was sie in dieser Saison auszeichnet: Eine unfassbare Mentalität sowie die Fähigkeit, auch in hitzigen Phasen des Spiels die nötige Ruhe zu bewahren. Und plötzlich blinkte auf dem riesigen Videowürfel am Dach der Frankfurter Arena nach zwei genialen Lilien-Momenten eine 2:1-Führung auf. „Allerdings wäre es wichtig gewesen, mit dem Vorsprung in die Pause zu gehen“, so Schuhen. Das gelang nicht. Stattdessen machte die Eintracht den Ausgleich und später im zweiten Durchgang zwei weitere Treffer, die das Duell schlussendlich entschieden. Honsak musste daher anerkennen: „Zur Wahrheit gehört eben auch, dass Frankfurt eine unglaubliche Mannschaft mit enormer Qualität hat.“
Der nächste Fight wartet schon
Und auch wenn die Darmstädter viel Positives aus dem Duell mit dem Bundesligisten mitnehmen, schmerzte das Endresultat am Dienstagabend. Lieberknecht: „Wir haben uns ordentlich präsentiert. Trotzdem sind wir traurig, dass wir nicht weitergekommen sind. Denn das war schon der Anspruch den wir an uns hatten.“ Es spricht für die Südhessen, dass Lieberknecht, Schuhen & Co. sich nicht von den zahlreichen Schulterklopfern nach Spielende berieseln lassen wollten. Den Siegeswillen, das Ausscheiden nach Abpfiff nicht einfach abzuschütteln, sondern den Schmerz darüber nach außen zu tragen. Und auch für den eigenen Ehrgeiz der Akteure, hinterher klar zu benennen, was während der 90 Minuten zum Pokalwunder gefehlt hat. Lange kann über die Endstation im Achtelfinale ohnehin nicht gehadert werden. Schließlich wartet am Sonntag die nächste Eintracht, diesmal aus Braunschweig (12.2./13.30 Uhr). Es gilt somit, nach dem packenden Pokalfight schnell zu regenerieren, um die nächsten aufopferungsvollen 90 Minuten auf den Rasen zu brennen. Wieder das blau-weiße Lilienherz auf dem Platz lassen für den Ligafight.